ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Notfallversorgung: Unzulängliches Gesamtsystem
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Der mittlerweile nur noch wohlfeile Aktionismus des Ge­sund­heits­mi­nis­ters muss endlich hinterfragt werden. Es reicht nicht aus, ständig neue „Verbesserungen“ durchzusetzen, sondern es muss der Mut gefasst werden, ein neues System der Gesundheitsversorgung aufzustellen.

Was wird unausweichlich geschehen? Die niedergelassenen Ärzte, die im integrierten Notfallzentrum (INZ) Schichtdienst schieben, werden – logischerweise – am Folgetag nicht in ihrer Praxis zur Verfügung stehen. Das gilt für die eingesetzten Krankenhausärzte ebenso. Unter Berücksichtigung der politisch nicht berücksichtigten Tatsache, dass die deutsche Medizin „feminisiert“ wurde mit den entsprechenden Arbeitszeitfolgen, bedeutet dieses eine weitere Verknappung der Ressource Arzt im Krankenhaus und ebenso in der Praxis.

Dass darüber hinaus die Finanzierung der INZ über das kassenärztliche Budget erfolgen soll (... „Bereinigung des Budgets“) wird zur Folge haben, dass sich noch weniger Nachwuchs für die niedergelassene Praxis rekrutieren lässt, bei weiter fortschreitender Feminisierung wird sich diese Lücke vergrößern.

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Feminisierung, ein Phänomen, dass für die Medizin eine Personalproblematik aufwirft, warum? Weil unser Gesamtsystem diesem Phänomen nicht gerecht wird. Die Personalstrukturen im Krankenhaus und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind immer noch nicht an diese Entwicklung adaptiert. Ergebnis: Frauen in der Medizin können nur zu einem kleinen Teil aufgrund der Systemprobleme ihre Arbeitskraft voll einsetzen und arbeiten daher – anders als bei den Nachbarn – eher im Teilzeitbereich. Hierdurch wird die Personalknappheit in Klinik und Praxis verschärft.

Solange die per definitionem feige Politik nicht den Mumm hat, das System als Ganzes neu aufzustellen (siehe Niederlande, siehe Dänemark), wird durch das Aufstellen „wohlfeiler Verbesserungen“ in Wirklichkeit der Untergang des „deutschen Gesundheitssystems“ beschleunigt werden.

Damit zeigt sich das wahre Gesicht deutscher Gesundheitspolitik.

Dr. med. Ulrich Kamphausen, 41063 Mönchengladbach

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