ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Tumorprogression: Eine Umstellung zu gesünderer Ernährung kann Prostatakrebs nicht aufhalten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Tumorprogression: Eine Umstellung zu gesünderer Ernährung kann Prostatakrebs nicht aufhalten

Dtsch Arztebl 2020; 117(9): A-449 / B-393 / C-377

Meyer, Rüdiger

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Eine der seltenen randomisierten Ernährungsstudien (Men’s Eating and Living, MEAL) endete enttäuschend: Der Wechsel auf eine gesunde Ernährung konnte das Fortschreiten eines Prostatakarzinoms nicht bremsen.

Da der Tumor in Ländern mit einem westlichen Lebensstil deutlich häufiger vorkommt als in anderen Regionen, ist die Annahme verbreitet, eine gesunde Ernährung schütze vor Prostatakrebs. Dies schlägt sich auch in Empfehlungen wichtiger Fachgesellschaften nieder. Die Entdeckung des Tumors ist oft Anlass für eine Ernährungsumstellung, zu der viele Patienten angesichts der schockierenden Diagnose bereit sind. Allerdings gab es dafür nur schwache Evidenz.

Das sollte MEAL ändern. An der Studie nahmen zwischen 2011 und 2015 insgesamt 478 Patienten (Alter 50–80 Jahre; randomisiert auf 2 Gruppen) teil, bei denen ein Prostatafrühkarzinom (Stadium bis cT2a) diagnostiziert worden war. Eine Gruppe wurde telefonisch zur Ernährung beraten, die andere erhielt keine Empfehlungen. Die Teilnehmer im Interventionsarm (124) sollten 7 Portionen am Tag Gemüse (2 Kreuzblütler, 2 Tomatenprodukte, 3 andere Gemüsesorten) 2 Portionen Vollkornprodukte und Obst sowie 1 Portion Bohnen oder andere Hülsenfrüchte essen.

Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer im Durchschnitt 3,38 Portionen Gemüse am Tag verzehrt, nach 12 Monaten hatten sie die Zahl um 2,43 Portionen erhöht. Am Ende der Intervention waren es noch 2,01 Portionen mehr als zuvor. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe verzehrten lediglich 0,45 (am Ende 0,37) Portionen mehr. Die Interventionsgruppe steigerte alle empfohlenen Gemüsearten und die Zufuhr von Carotinoiden und Lycopenen. Tendenziell wurde weniger rotes Fleisch, Fett und Kalorien verzehrt als in der Kontrollgruppe (121).

Fazit: Doch die Tumorprogression ließ sich im Interventionsarm nur bei einem einzigen Patienten senken. Dies ergab eine adjustierte Hazard Ratio (HR) von 0,97 (95-%-Konfidenzintervall 0,76–1,25), die nicht signifikant war. Warum die Studie ihr Ziel nicht erreichte, ist unklar. Adhärenz war gegeben, die Ernährungsumstellung war substanziell. Allerdings sind auch schon frühere Versuche, das Krebswachstum mit Selen, Vitamin C, D, E oder Omega-3-Fettsäuren zu beeinflussen, gescheitert. Rüdiger Meyer

Parsons JK, et al.: Effect of a Behavioral Intervention to Increase Vegetable Consumption on Cancer Progression Among Men With Early-Stage Prostate CancerThe MEAL Randomized Clinical Trial. JAMA 2020; 323 (2): 140–8.

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