ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Ernst Girth: Flagge zeigen gegen Rassismus

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Ernst Girth: Flagge zeigen gegen Rassismus

Dtsch Arztebl 2020; 117(9): A-457 / B-397 / C-381

Korzilius, Heike

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Ernst Girth, Foto: privat
Ernst Girth, Foto: privat

Mit Dr. med. Ernst Girth (74) hat erstmals eine Ärztekammer einen Rassismusbeauftragten ernannt. Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen wolle damit das Aktionsprogramm „Hessen gegen Hetze“ unterstützen, mit dem die Landesregierung Rechtsextremismus, Gewalt und Hass im Internet entgegentrete, erklärte Girth nach seiner Berufung: „Es geht darum, sich mehr in die öffentliche Diskussion einzumischen und Flagge zu zeigen.“

Das tut der Kardiologe aus Frankfurt seit Jahren, niemals laut, aber beharrlich. Seit 1997 ist er Menschenrechtsbeauftragter der Kammer – auch damals war er einer der Ersten. Viele Fälle, die ihn seither beschäftigt haben, betrafen die Beteiligung von Ärzten an der Abschiebung von Kranken. Geschuldet ist das der Nähe zum Rhein-Main-Flughafen. Girth geht es darum, dass berufsethische Verfehlungen geahndet, dass aber auch Kollegen zum Beispiel im Dienst der Bundespolizei unterstützt werden, die sich nicht von ihrem Dienstherren instrumentalisieren lassen wollten. Als wichtige Errungenschaft bezeichnet er, dass anders als früher in Hessen auch die beamteten Ärzte der Berufsgerichtsbarkeit unterstehen. „Das haben allerdings noch nicht alle Seiten verstanden“, meint er. „Dieses dicke Brett müssen wir endlich einmal durchbohren.“

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Davor scheut Girth grundsätzlich nicht zurück. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der Liste Demokratischer Ärztinnen und Ärzte in Hessen, die auf erbitterten Widerstand der konservativen Kollegen trafen. „Aber wenn man etwas bewegen will, muss man dahin gehen, wo die Entscheidungen gefällt werden“, sagt Girth. Heike Korzilius

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