ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Sweet-Syndrom als Vorbote einer Haarzellleukämie

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Sweet-Syndrom als Vorbote einer Haarzellleukämie

Sweet’s syndrome as precursor of hairy cell leukemia

Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 176; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0176

Kromer, Christian; Schön, Michael Peter; Buhl, Timo

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Ein 57-jähriger Patient berichtete über einen seit sechs Monaten bestehenden Hautausschlag ohne B-Symptomatik. Es imponierten stammbetont erythematöse, sukkulente Plaques. Bei passender Histologie diagnostizierten wir ein Sweet-Syndrom. Die ausführliche Diagnostik zum Ausschluss einer Neoplasie (Differenzialblutbild, thorakale und abdominale Computertomografie, Ösophagogastroduodenoskopie und Koloskopie) zeigte keine auffälligen Befunde. Der Patient wurde mit mäßigem Erfolg mit Prednisolon in wechselnder Dosierung sowie Dapson 100 mg täglich behandelt. Im Verlauf der nächsten 12 Monate entwickelte der Patient eine progrediente Panzytopenie. Zum Ausschluss einer hämatologischen Erkrankung erfolgte eine Knochenmarkspunktion. Diese zeigte eine Infiltration durch ein B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom (CD103 +) mit Verdrängung der Hämatopoese, passend zu einer Haarzellleukämie. Der Patient erhielt einen Therapiezyklus mit dem Zytostatikum Cladribin und befindet sich seitdem in hämatologischer Remission. Wenig später heilten die Hautveränderungen ab. Das Sweet-Syndrom tritt häufig parainfektiös, in 10–20 % der Fälle allerdings paraneoplastisch bei hämatologischen Neoplasien, seltener aber auch soliden Tumoren auf. Ein chronisch wiederkehrender Verlauf des Sweet-Syndroms sollte an eine assoziierte Neoplasie denken lassen.

Dr. med. Christian Kromer, Prof. Dr. med. Michael Peter Schön, Prof. Dr. med. Timo Buhl
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsmedizin Göttingen, timo.buhl@med.uni-goettingen.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Kromer C, Schön MP, Buhl T: Sweet’s syndrome as precursor of hairy cell leukemia. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 176. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0176

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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