ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Coronavirus SARS-CoV-2: Konkrete Hilfestellung

MEDIZINREPORT

Coronavirus SARS-CoV-2: Konkrete Hilfestellung

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): A-490 / B-430

Zylka-Menhorn, Vera

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Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion: Nach einer Umfrage vermissen die meisten niedergelassenen Ärzte Informationen über die erforderlichen Handlungsabläufe in- und außerhalb der Praxis: eine Zusammenstellung über Infrastruktur, empfohlene Maßnahmen und Ansprechpartner.

Die niedergelassenen Ärzte wünschen sich mehr Unterstützung angesichts der steigenden Infektionszahlen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2. Denn jeder Zweite (54 %) hält es für „sehr wahrscheinlich“, dass sich in naher Zukunft auch unter den eigenen Patienten SARS-CoV-2-Infizierte befinden werden. Dies ist das Ergebnis einer Onlineblitzumfrage des Ärztenachrichtendienstes Ende Februar, an der 605 niedergelassene Fachärzte und 492 Hausärzte aus dem ganzen Bundesgebiet teilgenommen haben. Auf die Frage, ob man sich von Institutionen und Behörden gut informiert fühle, antworteten 76 % mit „Nein“, nur 17 % mit „Ja“. Dabei vermissen die Befragten insbesondere Informationen über konkrete Handlungsabläufe im Verdachtsfall.

Eine vom Robert Koch-Institut (RKI) aktualisierte Orientierungshilfe für die Ärzteschaft zur Verdachtsabklärung einer SARS-CoV-2-Infektion respektive COVID-19-Erkrankung findet sich auf den nachfolgenden Seiten. Diese enthalten prinzipielle Hinweise, keine detaillierten Angaben. „Jede Praxis ist anders strukturiert, daher kann man nicht zentral für jeden Einzelfall im Detail entscheiden“, so Prof. Dr. Lothar Wieler. Der RKI-Präsident rät, bei Verdacht auf Influenza die Patienten differenzialdiagnostisch gleichzeitig auf SARS-CoV-2 zu testen: „Eine Probe aus dem oberen Hals-Nasen-Rachen-Raum ist einfach durchführbar. Der Test wird erstattet und steht allen Ärzten zur Verfügung.“

Für das Management und die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger gibt es außerdem ein bundesweites Expertennetzwerk. Zusammen mit weiteren Einrichtungen wurde 2014 hieraus ein „Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger“ (STAKOB) beim Robert Koch-Institut etabliert.

Kompetenzzentren

Kompetenzzentren in Berlin, Bochum, Frankfurt/Main, Hamburg, Leipzig, München, Bayern und Stuttgart bilden die Expertise im öffentlichen Gesundheitsdienst ab. Sie bieten unter anderem an:

  • telefonische Beratung und Vor-Ort-Unterstützung von Gesundheitsbehörden, Ärzten/Ärztinnen und Krankenhäusern im Zuständigkeitsbereich;
  • Einholen und Weiterleiten aktueller epidemiologischer Informationen;
  • Unterstützung bei diagnostischen Fragen in Abstimmung mit dem Diagnostikzentrum;
  • Entscheidungshilfe hinsichtlich Absonderung/Einweisung beziehungsweise Verlegung eines Patienten in das Behandlungszentrum;
  • logistische Organisation des Krankentransports;
  • Anordnung und Überprüfung der Desinfektionsmaßnahmen und Abfallbeseitigung;
  • Hilfe bei der Ermittlung der Kontaktpersonen;
  • Vermittlung einer adäquaten, risikoadaptierten persönlichen Schutzausrüstung (PSA).

Behandlungszentren

Um Patienten mit hochpathogenen Erregern infektiologisch und intensivmedizinisch versorgen zu können, haben die Länder spezielle Behandlungszentren eingerichtet in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Diese Einrichtungen zeichnen sich durch einen hohen Standard bezüglich baulicher Infrastruktur, persönlicher Schutzausrüstung, geschultem Personal und Labordiagnostik aus. Hier werden Patienten auf Sonderisolierstationen mittels Schleusen und Unterdruck von der Außenwelt abgeschirmt. Sie verfügen über eigene Atemluft- und Wasserleitungen; der Abfall und die Ausscheidungen werden als Sondermüll verbrannt oder in Überdruck sterilisiert.

Für SARS-CoV-2-infizierte Patienten ist die Behandlung in einer Sonderisoliereinheit bisher nicht vorgesehen. Denn im Prinzip kann jedes Krankenhaus, das über Isolierzimmer mit einem Schleusenvorraum verfügt (wie auf modernen Intensivstationen üblich), COVID-19-Patienten aufnehmen.

„Die Bevölkerung kann sich bei der Eindämmung des neuartigen Coronavirus auf die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in den 100 000 Praxen verlassen“, erklärt Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Es gebe eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten, Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und KBV mit den örtlichen Gesundheitsbehörden, dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, den Ge­sund­heits­mi­nis­terien der Länder sowie den Krankenhäusern. „Vergessen wir auch nicht, dass unabhängig vom Coronavirus derzeit viele Menschen an einer Erkältung oder einem grippalen Infekt leiden“, so Gassen. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Ansprechpartner und Telefonnummern
der verschiedenen Behandlungszentren
im Internet: http://daebl.de/CP98

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