ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Jeder fünfte Klinikarzt denkt über Berufswechsel nach

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Jeder fünfte Klinikarzt denkt über Berufswechsel nach

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: Wechsel_tadamichi/stock.adobe.com
Foto: Wechsel_tadamichi/stock.adobe.com

Viele Ärztinnen und Ärzte an deutschen Kliniken fühlen sich aufgrund der Arbeitsbedingungen überlastet und stoßen an ihre gesundheitlichen Grenzen. Das zumindest geht aus den Ergebnissen einer Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) hervor. Im Auftrag des MB befragte das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) im Herbst 2019 bundesweit 6 500 angestellte Ärztinnen und Ärzte online.

Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) haben demnach das Gefühl, die Gestaltung ihrer Arbeitszeiten beeinträchtige sie in ihrer Gesundheit, beispielsweise in Form von Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit. 15 Prozent waren durch ihre Arbeit schon einmal so stark psychisch belastet, dass sie sich in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung begeben mussten, zum Beispiel wegen eines Burn-outs. Knapp die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte (49 Prozent) fühlen sich häufig überlastet. Jeder Zehnte sagte, er gehe ständig über seine Grenzen. Jeder Fünfte der Befragten (21 Prozent) denkt inzwischen über einen Berufswechsel nach.

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Aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte geht darüber hinaus im Arbeitsalltag immer mehr Zeit wegen administrativer Aufgaben verloren. Den Ergebnissen zufolge ist der tägliche Zeitaufwand für Datenerfassung, Dokumentation und organisatorische Tätigkeiten im Vergleich zu früheren MB-Befragungen stark gestiegen. Gaben im Jahr 2013 acht Prozent der Ärzte an, mindestens vier Stunden am Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst zu sein, waren es im Herbst 2019 schon 35 Prozent.

Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken müssten sich grundlegend verbessern, fordert die 1. Vorsitzende des MB, Dr. Susanne Johna. „Wer auf Dauer an seinen eigenen Ansprüchen scheitert und keine Zeit hat für Gespräche mit Patienten, für kollegialen Austausch und nach der Arbeit für Familie und Freunde“, sagte sie weiter, „fängt irgendwann an, die eigene Tätigkeit infrage zu stellen. Weder der Politik noch den Krankenhäusern darf diese Entwicklung gleichgültig sein.“ sg

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