ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Angststörungen: Qualitätsinstitut sieht keine Belege für einen Nutzen von EMDR

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Angststörungen: Qualitätsinstitut sieht keine Belege für einen Nutzen von EMDR

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): A-474 / B-412

Hillienhof, Arne

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EMDR wird in Deutschland bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt. Foto: Your Photo Today
EMDR wird in Deutschland bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt. Foto: Your Photo Today

Die aktuelle Studienlage bietet keinen Anhaltspunkt dafür, dass Patienten mit Angststörungen von einer Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) profitieren. Das hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Universität Witten/Herdecke und der Fernuniversität Hagen in Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ermittelt. Die Arbeit im Rahmen eines ThemenCheck Medizin geht auf einen Vorschlag von Bürgern zurück. Nach Darstellung der Befürworter der EMDR-Methode sollen bei dieser Therapie angstbesetzte Ereignisse oder Situationen aus der Vergangenheit vergegenwärtigt und mithilfe der wechselseitigen Aktivierung beider Gehirnhälften aufgearbeitet werden. EMDR wird in Deutschland seit den 1990er-Jahren bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt und nur für diese Indikation – nicht aber für Angststörungen – seit 2015 von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) bezahlt. Die Wissenschaftler identifizierten zunächst 22 Studien zur EMDR-Behandlung bei Angststörungen. Ein hohes Verzerrungspotenzial und eine mangelhafte Berichtsqualität hätten die Interpretation der Daten erschwert, so das IQWiG. Zudem sei die Studiendauer vielfach zu kurz gewesen, um zu Langzeiteffekten Aussagen treffen zu können. Somit bleibe unklar, ob ein möglicher Therapieerfolg anhalte, heißt es in dem Bericht. Dies gelte für alle patientenrelevanten Endpunkte, die in den Studien berichtet wurden: Angst, Depression, angstspezifische Effekte wie Vermeidungsverhalten oder körperliche Symptome, gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychosoziale Aspekte. Die Forscher empfehlen Studien mit hinreichender Darstellungsqualität und ausreichend langer Nachbeobachtungsdauer. hil

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