ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Spontanpneumothorax: Thoraxdrainage bleibt bei jüngeren Patienten ohne klare Vorteile

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Spontanpneumothorax: Thoraxdrainage bleibt bei jüngeren Patienten ohne klare Vorteile

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): A-503 / B-435

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance/Imagesource RF
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Der Spontanpneumothorax (PSP) ist häufig. Bei etwa jedem 3. Patienten tritt die Luft ohne erkennbaren Grund in den Pleuraraum. Die Lunge erholt sich bei den meisten Patienten spontan. Die Thoraxdrainage, in vielen Kliniken Standard, ist dagegen schmerzhaft.

In einer randomisierten Studie ist die Intervention mit einer abwartenden Haltung verglichen worden. 316 Patienten (14–50 Jahre) mit einem mittelgroßen bis großen PSP (Ausdehnung ≥ 32 %) nahmen teil. Es musste der erste PSP beim Patienten sein. Hämato- oder Spannungspneumothorax (Blutdruck < 90/65 mmHg) waren ausgeschlossen. Die Thoraxdrainage erfolgte nach der Seldinger-Technik (n = 154). Nach 4 Stunden wurde der Katheter entfernt, sofern durch Röntgenaufnahme ein Rezidiv ausgeschlossen war. Bei konservativer Behandlung (n = 162) wurde beobachtet. Hatte sich der Zustand nicht verschlechtert und sich der PSP im Röntgenbild nicht vergrößert, wurden die Patienten mit schriftlichen Anweisungen und Analgetika entlassen. Sie mussten sich aus eigener Kraft bewegen können und durften keine Sauerstofftherapie benötigen.

Die konservative Behandlung war bei 84,6 % erfolgreich und eine Thoraxdrainage nur bei 15,4 % erforderlich. Bei der Kontrolle nach 8 Wochen hatten sich 94,4 % der Patienten vollkommen erholt. Nach Intervention war dies bei 98,5 % der Fall. Die Risikodifferenz von 4,1 Prozentpunkten lag unter der Noninferioritätsmarge von 9 Prozentpunkten. Wurden Patienten, die nicht zur Nachsorge erschienen, als Therapieversager gewertet, erhöhte sich die Differenz zugunsten der Intervention auf 11 Prozentpunkte, die Noninferioritätsmarge wäre nicht erreicht. Allerdings verdreifachte sich bei Intervention das Komplikationsrisiko und die Rezidivrate war verdoppelt.

Fazit: Jungen, gesunden Menschen mit einem großen primären spontanen Pneumothorax könne eine abwartende Haltung angeboten werden, sofern kein Spannungspneumothorax vorliege, heißt es im Kommentar (2). Voraussetzung sei, dass der Patient informiert werde und zustimme, für eine ambulante Nachsorge gesorgt sei und weder eine Flugreise noch ein Tauchurlaub geplant seien. Rüdiger Meyer

  1. Brown SGA, et al: Conservative versis interventional treatment for spontaneous pneumothorax. N Engl J Med 2020; 382: 405–15.
  2. Broaddus VC: Clearing the air—a conservative option for spontaneous pneumothorax. N Engl J Med 2020; 382: 469–70.

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