ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2020Reform der Notfallversorgung: Wer den Hut auf hat

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Reform der Notfallversorgung: Wer den Hut auf hat

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): A-475 / B-413

Korzilius, Heike

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Der Gesetzentwurf für die Notfallreform schreibt den Kassenärztlichen Vereinigungen die Verantwortung für die zentralen Anlaufstellen im Krankenhaus zu. Ärzte in den Krankenhausambulanzen fürchteten eine Einmischung in ihren Verantwortungsbereich – ein Missverständnis.

Im Grundsatz einig: Stephan Hofmeister (links) und André Gries (rechts) bei der kontroversen Mittagspause, in der Mitte Moderator Denis Nößler. Foto: Georg J. Lopata
Im Grundsatz einig: Stephan Hofmeister (links) und André Gries (rechts) bei der kontroversen Mittagspause, in der Mitte Moderator Denis Nößler. Foto: Georg J. Lopata

Ziel einer Reform der Notfallversorgung müsse es sein, Patienten nach Dringlichkeit in die angemessene Versorgungsebene zu steuern. Nur so könne verhindert werden, dass Patienten mit Bagatell-erkrankungen die Notaufnahmen der Krankenhäuser überlasteten. Darin waren sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Stephan Hofmeister, und Prof. Dr. med. André Gries von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin einig. Beide diskutierten am 26. Februar auf Einladung der KBV bei einem Streitgespräch in Berlin über die geplante Reform der Notfallversorgung. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte dafür im Januar einen Gesetzentwurf vorgelegt.

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Das Gespräch zwischen Hofmeister und Gries verlief weniger kontrovers als vermutet. Denn einer der Streitpunkte konnte gleich zu Beginn ausgeräumt werden. Dass der Gesetzentwurf den Kassenärztlichen Vereinigungen die Verantwortung für die geplanten zentralen Anlaufstellen für Akutpatienten in den Krankenhäusern übertrage, bedeute nicht, dass die Vertragsärzte Einfluss auf die Notaufnahmen der Kliniken einforderten, betonte Hofmeister. Die niedergelassenen Ärzte seien ausschließlich für die Versorgung der ambulanten Patienten in den Intersektoralen Notfallzentren (INZ) verantwortlich. Klinische Notfälle würden dagegen weiterhin in den Notaufnahmen und Schockräumen unter Regie der Krankenhausärzte versorgt.

Eigener Notfallbereich unnötig

Die Vertragsärzte strebten eine vertraglich abgesicherte Zusammenarbeit an, aber keinen eigenen Notfallbereich analog den Emergency Rooms etwa in den USA, betonte Hofmeister. Zur Kooperation gehörten auch Vereinbarungen über die Gerätenutzung oder den Personaleinsatz. Denn in der Nacht suchten mit im Schnitt 0,7 bis 1,4 Patienten in der Stunde viel zu wenige den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst auf, um eine Portalpraxis oder ein INZ rund um die Uhr wirtschaftlich betreiben zu können.

Gries räumte ein, dass man die Aussagen zur Verantwortlichkeit in den INZ anfangs wohl falsch verstanden habe. Zugleich forderte er weitere Klarstellungen durch den Gesetzgeber. So gebe es bislang weder Vorgaben für die Qualifikation der niedergelassenen Ärzte, die in den INZ Patienten versorgen sollen, noch verbindliche Anforderungen an die Ausstattung der Zentren. Zurzeit würden Ärzte aller möglichen Fachrichtungen zum Bereitschaftsdienst eingeteilt. Viele schickten Akutpatienten dann weiter in die Notfallambulanzen der Kliniken, weil sie verunsichert seien. Erst wenn man die strukturellen Fragen zur Ausstattung der INZ und zur Qualifikation der dort tätigen Ärzte geklärt habe, lasse sich auch die Frage beantworten, wie viele dieser Einrichtungen man an welchen Kliniken benötige, so Gries.

Es sei nicht leistbar, an allen 1 600 Akutkrankenhäusern in Deutschland rund um die Uhr INZ zu betreiben, erklärte Hofmeister. Dazu fehlten schlicht die Ärzte. „Wir brauchen sicher keine 20 INZ in Berlin“, meinte der KBV-Vorstand. Auf dem Land könne es dagegen aus Gründen der Erreichbarkeit notwendig sein, Bereitschaftsdienstpraxen auch ohne Anbindung an ein Krankenhaus vorzuhalten. Hier müsse man auch auf vorhandene Angebote zurückgreifen können. „Der Bestandsschutz für regionale Lösungen fehlt aber im Gesetz“, kritisierte Hofmeister.

Gries warnte davor, den Bedarf an INZ allein anhand der Zahl der Fälle zu definieren, die sich im Nachhinein als ambulante Fälle herausgestellt hätten. „Patienten benötigen oft die Krankenhausressourcen, damit der Arzt entscheiden kann, ob sie ambulant weiterbehandelt werden können oder nicht“, sagte der Notfallmediziner. Heike Korzilius

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Hoody
am Freitag, 6. März 2020, 20:48

Ideen zur Entlastung

Die Notwendigkeit für Patienten in der Notaufnahme einen mindestens (!) zweiseitigen ausführlichen Arztbrief, anstelle eines stichwortartigen Gesundheitsreports zu tippen erschließt sich mir nicht. Die Zeitersparnis wäre mit steigender Erfahrung des Dienstarztes gering jedoch gerade am Anfang und solange das Problem des hohen Patientenaufkommens besteht doch wesentlich. Zudem beschäftigt mich die Frage, ob man Portalpraxen respektive INZ nicht auch auf eine wirtschaftlich sinnvolle Weise zu den klassischen Stoßzeiten betrieben könnte. Ließe sich nicht auch die Entscheidungskompetenz des Rettungsassistenten insofern ausweiten, als dass dieser dazu befugt wäre zu entscheiden ob ein Patient in einem Krankenhaus oder lediglich einem Arzt zum Beispiel einem Hausarzt oder aber eine Potalpraxis vorgestellt werden sollte?