ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Kassen von Fremdaufgaben entlasten

THEMEN DER ZEIT: Berichte

Kassen von Fremdaufgaben entlasten

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Etats der gesetzlichen Krankenkassen werden mit mindestens drei Milliarden DM krankenversicherungsfremder Leistungsausgaben belastet (Basis: 1992). Das sind rund 1,65 Prozent aller Gesamtreinausgaben der Kran­ken­ver­siche­rung (bei einem Volumen von rund 177 Milliarden DM in 1992). Dies hat das Institut für Gesundheits-Systemforschung (GSF), Kiel, in einem Gutachten über "Fremdleistungen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung" ermittelt. Als Fremdleistungen der GKV werden solche Ausgaben bezeichnet, die aus überwiegend gesellschafts-, sozial- und/oder familienpolitischen Gründen den Krankenkassen übertragen worden sind, ohne daß die damit verbundenen Ausgaben von Dritten übernommen wurden. Der größte Ausgabenblock bei den Fremdleistungen ist das Sterbegeld mit rund 1,67 Milliarden DM. Danach folgt das Mutterschaftsgeld mit 1,1 Milliarden DM. Die Leistungsausgaben wegen eines "nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruchs und nicht rechtswidriger Sterilisation" wurden mit rund 315 Millionen DM in 1992 ermittelt; davon wurden allerdings die gesamten Ausgaben den Krankenkassen erstattet.


Einnahmenverluste
Das Tableau der von den Krankenkassen ohne Erstattung übernommenen Fremdleistungen ist unvollständig. Nach Angaben des Kieler Instituts fehlen Angaben für die künstliche Befruchtung sowie die hauswirtschaftliche Versorgung bei häuslicher Krankenpflege und bei Grundpflege. Das GSF kritisiert, daß die Krankenkassen oftmals nur unzureichend ihren Erstattungsanspruch an Dritte für geleistete Fremdleistungen durchsetzten. Damit entstünden den Krankenkassen erhebliche Einnahmenverluste – etwa bei der Versorgung der Opfer alkoholbedingter und/oder durch andere Drogen bedingter Unfälle im Straßenverkehr sowie den Krankenkassenleistungen bei häuslichen Unfällen in Ausübung von geringfügigen Beschäftigungen.
Das Institut empfiehlt, die Problematik von Fremdleistungen in der Kran­ken­ver­siche­rung "umfassend aufzuarbeiten", um so auch den Ausgabenanstieg in der Kran­ken­ver­siche­rung zu bremsen und eine verursachergerechte Finanzierung zu erreichen. Dr. Harald Clade


Fritz Beske, Juliane Hübener unter Mitarbeit von Christiane Rohde-Kozianka: Fremdleistungen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, hrsg. vom Institut für Gesundheits-System-Forschung, Kiel, Schriftenreihe, Band 50, 90 Seiten, Kiel, Januar 1996

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote