ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2020Angst und Angststörungen: Psychoanalytisches Verstehen von Angst

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Angst und Angststörungen: Psychoanalytisches Verstehen von Angst

Riegel, Björn

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Prof. Dr. med. Ermann ist als emeritierter Professor für Psychosomatik und Psychotherapie einer der bekanntesten Experten im Bereich der Psychoanalyse und Psychosomatik mit zahlreichen Fachpublikationen und wichtigen Lehrbüchern. Das vorliegende Buch zu Angsterkrankungen basiert auf fünf Vorlesungen während der Lindauer Psychotherapiewochen 2011 und stellt eine Vielfalt klassischer Theorien zum Verständnis von Angst dar. Angereichert ist es mit Abbildungen, aber auch mit teils historischen Fotos.

Die erste Vorlesung – und damit das erste Kapitel – beschäftigt sich mit der Bedeutung der Angst in der Menschheitsgeschichte sowie deren Darstellung in Kunst und Kultur, ehe Ermann eine Hinleitung zur klinischen Angst macht. Damit ist der Übergang zu Freud geschaffen. Ein vergleichsweise großer Teil des Buches widmet sich der Entwicklung des Verständnisses von Angst in Freuds Werken bis hin zur Entwicklung der Ich-Psychologie. Der Leser bekommt hier eine Essenz des Freudschen Werks zur Angst geboten. Dies ist durchaus lesenswert und wird kurzweilig vermittelt.

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Das dritte Kapitel behandelt die Konzeptionalisierung der Angst in der Objektbeziehungstheorie sowie in der Selbstpsychologie. Ermann geht auf die wichtigsten Vertreterinnen und Vertreter ein, bliebt hier aber mehr an der Oberfläche, als es noch in dem Part zu Freuds Theorien der Fall war. Den Abschluss bildet ein kurzes Kapitel zu den Zusammenhängen zwischen Angst und der Persönlichkeitsstruktur sowie zur klinischen Diagnostik. Hier finden weitere Vertreter (Fritz Riemann, Karl König) mit ihren Konzepten Platz. Neben den Grundzügen der jeweiligen Theorien legt Ermann die Biografien der jeweiligen Vertreter einer Denkrichtung dar und führt in deren wichtige Werke ein. Ideen zur Behandlungsplanung oder zu Interventionsstrategien sind in seinen Vorlesungen und damit im Buch nicht enthalten, sodass der Leser ein großes Interesse an einem Überblick über die (klassischen) Strömungen der Psychoanalyse mitbringen sollte. Ermann skizziert wichtige Entwicklungen in der Geschichte der Psychoanalyse anhand des Verständnisses zur Entstehung und Funktion der Angst sowie dessen intrapsychischer Verarbeitung.

Sowohl im Ausbildungskontext als auch zum Verfassen der Therapieanträge an den Gutachter und damit zur Reflexion eigener Patienten bietet dieses Buch einen guten Überblick. Björn Riegel

Michael Ermann: Angst und Angststörungen – Psychoanalytische Konzepte. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2019, 2. Auflage, 118 Seiten, kartoniert, 25,00 Euro

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