ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2020Approbationsordnung für Psychotherapeuten: Der Wille ist entscheidend

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Approbationsordnung für Psychotherapeuten: Der Wille ist entscheidend

Bühring, Petra

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Dem Start der neuen Studiengänge für Psychotherapie an den Universitäten zum Wintersemester 2020/21 steht nun nichts mehr im Wege. Der Bundesrat hat am 14. Februar dem Entwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu einer Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit eigenen Änderungen zugestimmt. Den Universitäten bleibt nun nicht mehr viel Zeit, die neuen Studiengänge zu gestalten und die Prüfungsordnungen anzupassen. Voraussetzung für die Erteilung der Approbation ist das Bestehen einer staatlichen Prüfung, die aus einer mündlichen Prüfung und einer Parcoursprüfung mit Schauspielpatienten besteht. Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) ist zufrieden, dass die Approbationsordnung einen hohen Anspruch sowohl an die wissenschaftliche als auch an die praktische Ausbildung definiert. Allein im Masterstudium umfassten die praktischen Tätigkeiten in ambulanten und stationären Versorgungseinrichtungen den Umfang von einem Praxissemester, stellt die BPtK klar. Zuvor war von vielen Seiten ein zusätzliches Praxissemester zum dreijährigen Bachelor- und zweijährigen Masterstudium gefordert worden.

So weit, so gut. Doch nicht alle sind vollumfänglich zufrieden mit der Approbationsordnung und hätten sich klarere Vorgaben gewünscht, die verhindern, dass die verhaltenstherapeutische Dominanz an den staatlichen Universitäten negative Auswirkungen auf die zukünftige Versorgung der Patientinnen und Patienten haben könnte. Von 61 Lehrstühlen für klinische Psychologie und Psychotherapie in Deutschland sind 60 mit Verhaltenstherapeuten besetzt. Die Berufs- und Fachverbände mit vornehmlich psychoanalytisch, tiefenpsychologisch fundiert oder systemisch orientierten Mitgliedern befürchten, dass diese Verfahren in der Weiterbildung nach dem Studium weniger häufig gewählt werden, und damit Patienten in geringerem Umfang als jetzt zur Verfügung stehen könnten. Grund dafür ist eine fehlende verbindliche Vorgabe in der Approbationsordnung, dass die Lehre der wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren durch Hochschullehrer und Dozenten mit entsprechender Fachkunde erfolgen muss. Auf eine Grundqualifizierung in allen anerkannten Verfahren im Studium weist die Verordnung zwar explizit hin. Es ist aber nicht festgelegt, dass die Lehrenden eine abgeschlossene Aus- beziehungsweise Weiterbildung in dem zu lehrenden Verfahren haben müssen. Dabei hat der Bundesrat den Entwurf der Verordnung aus dem BMG schon mit eigenen Änderungen nachgebessert: So wurde bei der staatlichen Prüfung klargestellt, dass die Prüfer die Fachkunde in unterschiedlichen Therapierichtungen nachweisen müssen. Sonst könnte beispielsweise ein Verhaltenstherapeut psychoanalytische Inhalte prüfen. Auch für die berufspraktische Qualifizierung hat der Bundesrat die Verpflichtung zur fachkundlichen Lehre mit aufgenommen.

Im besten Falle zeigen sich die verhaltenstherapeutisch orientierten staatlichen Universitäten einsichtig, dass ihre Professoren und Dozenten nicht alle Verfahren unterrichten können und holen Lehrende mit psychoanalytischer Ausrichtung aus anderen Fachbereichen oder von den Ausbildungsinstituten hinzu. Im ungünstigsten Falle besetzen Lehrstuhlinhaber neue Stellen mit Vertretern der von ihnen präferierten Verhaltenstherapie. Entscheidend ist letztendlich der Wille der Hochschulen, tatsächlich verfahrensbreit ausbilden zu wollen.

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