ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2020Deutscher Ethikrat: Empfehlung zur Transidentität bei Heranwachsenden

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Deutscher Ethikrat: Empfehlung zur Transidentität bei Heranwachsenden

Richter-Kuhlmann, Eva

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Transidente Kinder und ihre Eltern haben einen Anspruch auf Beratung und Aufklärung. Foto: Prostock-studio/stock.adobe.com
Transidente Kinder und ihre Eltern haben einen Anspruch auf Beratung und Aufklärung. Foto: Prostock-studio/stock.adobe.com

Da die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ihre empfundene geschlechtliche Identität im Widerspruch zu der ihnen personenstandsrechtlich zugeschriebenen Geschlechtszugehörigkeit wahrnehmen, stetig steigt, hat der Deutsche Ethikrat eine Ad-hoc-Empfehlung zum Thema Transidentität bei Kindern und Jugendlichen verabschiedet.

Damit möchte das interdisziplinär besetzte Gremium die Öffentlichkeit für die diffizilen Fragen eines angemessenen gesellschaftlichen und medizinischen Umgangs mit Transidentität sensibilisieren. Gleichzeitig wollen die Experten aber auch in einen öffentlichen Dialog treten. Bereits vor einer solchen breiten Debatte weist der Rat mit Nachdruck auf wichtige ethische Grundsätze hin, die als Orientierung bei der Behandlung der Betroffenen dienen sollen.

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Danach muss zum einen das allgemeine Persönlichkeitsrecht beachtet werden, das auch das Recht, ein Leben entsprechend der eigenen, subjektiv empfundenen geschlechtlichen Identität zu führen, umfasst. Die therapeutische Interaktion mit dem Kind müsse so gestaltet werden, dass es an die mit zunehmendem Alter folgenreicher werdenden Entscheidungen herangeführt werde, betont der Rat. Eltern und behandelnde Personen sollten das Kind dabei bestmöglich unterstützen. Sei das Kind hinreichend einsichts- und urteilsfähig, um die Tragweite und Bedeutung der geplanten Behandlung zu verstehen, müsse sein Wille maßgeblich berücksichtigt werden. Nutzen und Schaden der medizinisch-therapeutischen Maßnahmen müssten in jedem Fall sorgfältig abgewogen werden, betonen die Experten. Dies gelte insbesondere deshalb, weil die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Risiken, Nebenwirkungen und Folgen teilweise umstritten sind. Betroffene und ihre Eltern hätten einen Anspruch auf eine ausgewogene Beratung und Aufklärung. Zudem sollte ein entstigmatisierender Umgang mit Transidentität bei Kindern gefördert werden. Entsprechende psychosoziale Beratung müsse gestärkt werden. ER

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