ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2020Brexit: Mehr Ängste bei Migranten

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Brexit: Mehr Ängste bei Migranten

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Der Wunsch der Briten nach einem Austritt aus der EU („Brexit“) geht mit fremdenfeindlichen Tendenzen einher, etwa durch Erschwerung der Einbürgerung. Eine Gruppe, die hierbei das Nachsehen hat, sind Migranten. Darüber berichtet jetzt der britische Sozialwissenschaftler PhD David M. Frost vom University College London (GB). Er befragte 311 Migranten nach ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und dem politischen Klima in dem Bezirk, in dem sie lebten. Außerdem erfasste er das Ausmaß der Generalisierten Angststörung bei den Migranten in einem Zeitraum von acht Monaten. Die Untersuchung startete sieben Monate nach dem Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016.

Die Auswertungen ergaben, dass Migranten, die in Bezirken lebten, in denen vorwiegend für den Brexit gestimmt worden war, mehr diskriminiert wurden als Migranten aus Bezirken mit weniger Brexit-Befürworten. Die Diskriminierung in den Pro-Brexit-Bezirken nahm im Lauf der Untersuchungen außerdem zu. Sie zeigte sich unter anderem darin, nicht beachtet oder gemieden zu werden, von oben herab, respektlos oder wie ein Verbrecher behandelt zu werden sowie bedroht, beschimpft und beleidigt zu werden.

„Je stärker die Diskriminierung, desto höher das Ausmaß der Angststörungen bei den Migraten“, so Frost. Dass sich das soziale Klima in Großbritannien nach dem Brexit-Referendum so stark verschlechtert hat und geradezu gefährlich für Migranten geworden ist, sollte Wissenschaftler, Politiker und Mediziner laut Frost alarmieren. ms

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Frost DM: Hostile and harmful: Structural stigma and minority stress explain increased anxiety among migrants living in the United Kingdom after the Brexit referendum. Journal of Consulting and Clinical Psychology 2020; 88 (1): 75–81.

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