ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2020Green Hospitals: Klimaschutz im Krankenhaus

MEDIZINREPORT

Green Hospitals: Klimaschutz im Krankenhaus

Litke, Nicola; Szecsenyi, Joachim; Wensing, Michel; Weis, Aline

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Das Klima der Erde verändert sich dramatisch. Sofern die derzeitigen Bedingungen, etwa die Menge der CO²-Emissionen, bestehen bleiben, wird für Deutschland ein Temperaturanstieg von bis zu 5° C erwartet. Krankenhäusern wird dabei eine tragende Rolle zugeschrieben. Green Hospitals sollen die Gesundheit der Bevölkerung fördern und dabei die Umwelt schützen.

Der Klimawandel und der damit einhergehende Temperaturanstieg bringen vielfältige Veränderungen der Lebenswelt mit sich (1, 2). Die sich zuspitzenden Umweltentwicklungen beeinflussen die Gesundheit der Menschen wesentlich (1, 2, 3, 4, 5). Indes sind diese klimabedingten Veränderungen und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen auf menschliches Verhalten zurückzuführen.

Das Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels gilt als deutsches Best-Practice-Beispiel für Green Hospitals. Eine der Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit sind die zwischen den Fenstern platzierten Solarpaneele an der Außenfassade. Foto: Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels
Das Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels gilt als deutsches Best-Practice-Beispiel für Green Hospitals. Eine der Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit sind die zwischen den Fenstern platzierten Solarpaneele an der Außenfassade. Foto: Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels

Auch Krankenhäuser nehmen Einfluss auf diese Entwicklung. So verbraucht zum Beispiel ein Bett in einem deutschen Krankenhaus 300–600 Liter Wasser pro Tag (6). Mit der Produktion von 4,4 % der globalen Treibhausgase wie CO2 liegt der Gesundheitssektor über den Emissionen von Flugverkehr und Schifffahrt (2, 7).

Die CO2-Emissionen des Gesundheitssektors, die vor allem auf eine ineffiziente Energieverwertung zurückgeführt werden, finden in der Strategie zur Begegnung des Klimawandels bislang allerdings wenig bis keine Beachtung (7).

Potenzial für Einsparungen

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sieht daher großes Potenzial für Einsparungen im Bereich des Gesundheitssektors, die direkten Einfluss auf das Klima und die Gesundheit der Menschen weltweit mit sich bringen könnten (2).

Es stellt sich die Frage, wie man das Setting Krankenhaus in Deutschland verändern kann, sodass es eine ökologisch nachhaltigere Umgebung für kranke Menschen darstellt und den Entwicklungen des Klimawandels entgegenwirkt. Einen möglichen Lösungsansatz bietet der Ansatz der Green Hospitals. Diese haben zum Ziel, den Energiehaushalt, den Wasserverbrauch, aber auch das Abfallmanagement umweltfreundlich zu gestalten (8, 9, 10).

Im Rahmen einer strukturierten Literaturrecherche im Herbst 2019 wurde der Fragestellung nachgegangen, inwiefern der Green-Hospital-Ansatz einen nachhaltigen und effektiven Lösungsansatz zur Begegnung des Klimawandels und dessen Gesundheitsfolgen darstellt. Der Ansatz geht von der Grundannahme aus, dass sich die Organisation Krankenhaus nachhaltig verändern muss, um eine umweltfreundlichere und gesundheitsförderndere Umgebung für die Bevölkerung zu schaffen (4, 5, 8). Er entwickelte sich aus dem Konzept der Green Buildings, welches durch die UN-Konferenz „Human Environment“ in Stockholm im Jahre 1972 sowie die Öl-Krise 1973 zunehmend an Popularität gewann. Ziel der Green Buildings war es, den Verbrauch von Ressourcen wie Land, Wasser und Energie so zu reduzieren, dass die Menschen, die dort leben, arbeiten, lernen oder sich erholen, gesünder, glücklicher und produktiver werden (9).

Weltweit wurden daraufhin zahlreiche Richtlinien, Zertifizierungsmöglichkeiten und Behörden gegründet, die Grenzwerte und Bauvorschriften entwickelten. So wurden zum Beispiel durch das US-Zertifizierungssystem Leadership in Energy and Environment Design (LEED) seit 1998 mehr als 69 000 Bauprojekte in über 150 Ländern überprüft und ausgezeichnet (8, 9). Aus LEED entwickelte sich 2004 der LEED Application Guide for Healthcare (später LEED-HC). Im Jahre 2010 waren über 600 Gesundheitseinrichtungen weltweit durch eine LEED-Zertifizierung ausgezeichnet (11).

Grün und gesund

So entstand der Ansatz der Green Hospitals, für den verschiedene Definitionen existieren. Die Nichtregierungsorganisation „Health Care Without Harm“ definiert ein Green Hospital als grünes und gesundes Krankenhaus, das die Gesundheit der Bevölkerung fördert, indem es seinen Einfluss auf die Umwelt kontinuierlich reduziert und jeglichen negativen Einfluss auf das Krankheitsleiden der Bevölkerung eliminiert. Ein grünes Krankenhaus erkennt die Verbindung zwischen der Umwelt und der menschlichen Gesundheit und zeigt dieses Verständnis durch seine Managementstrategien und Handlungen. Es verbindet regionale Bedürfnisse mit konkreten Handlungen und dem Betreiben von Primärprävention, indem es einen aktiven Beitrag zur regionalen Gesundheit leistet, Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung schafft und eine grüne Wirtschaftsführung vorweist (9).

Health Care Without Harm ist eine globale Initiative, die den ökologischen Fußabdruck von Krankenhäusern verkleinern möchte. An ihrem Projekt „Global Green and Healthy Hospitals“, das die Health Care Climate Challenge beinhaltet, beteiligen sich weltweit bereits 17 000 Gesundheitseinrichtungen (12, 13).

Die Umsetzung des Green-Hospital-Ansatzes erfolgt in den verschiedenen Krankenhäusern individuell, es konnten jedoch Grundprinzipien festgestellt werden, die in der Grafik näher ausgeführt sind (14, 15, 16). Darüber hinaus wird empfohlen, die Ernährung für Patienten und Angestellte gesünder zu gestalten sowie in der allgemeinen Stadtplanung Wert auf Primärprävention durch Radwege, Reduktion der Luftverschmutzung und Erholungsmöglichkeiten zu legen (17, 18). Diese Richtlinien werden durch konkrete Vorgaben des irischen Gesundheitsdienstes unterstützt, der 2015 eine Leitlinie für nachhaltige Gesundheitseinrichtungen veröffentlicht hat (19).

Mögliche Maßnahmen des Green-Hospital-Ansatzes
Grafik
Mögliche Maßnahmen des Green-Hospital-Ansatzes

Der größte Umweltschutzverband Deutschlands, der Bund für Umweltschutz und Naturschutz e. V. (BUND), beteiligt sich deutschlandweit an Projekten zum Klimaschutz in Krankenhäusern und vergibt seit 2001 das Gütesiegel „Energiesparendes Krankenhaus“. Bisher wurden 46 Kliniken mit dem Gütesiegel ausgezeichnet. Die Praxisbeispiele zeigen, dass 50 % dieser Kliniken dieses Gütesiegel bis heute führen (Stand: November 2019) (20). BUND ist zudem einziger deutscher Teilnehmer der Health Care Climate Challenge der Initiative Health Care Without Harm (12).

Das Projekt „KLIK – Klimamanager für Kliniken“ bildet Klimamanager in Krankenhäusern aus, die in ihren Einrichtungen deren Nachhaltigkeit durch individuelle Maßnahmen erhöhen sollen. Das Projekt wird unter anderem vom BUND durchgeführt und wird im Rahmen der Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert. Bis zu 250 Krankenhäuser sollen bei der Weiterbildung von Mitarbeitern zu Klimamanagern unterstützt werden (21). In der Online-Datenbank des Projektes sind teilnehmende Krankenhäuser sowie deren Maßnahmen auf freiwilliger Basis veröffentlicht.

Eine Suche ohne Filter (z. B. Trägerart oder Bettenzahl) ergibt eine Trefferzahl von 338 Maßnahmen (Stand: November 2019) (22), beispielsweise der Einbau von Systemen, die durch Türkontakte in Räumen mit der Lüftung und Kühlung die Klimatisierung ausschalten, sobald Türen längere Zeit offen stehen, die Reduzierung der CO2-Emissionen pro Jahr sowie eine Reduzierung des Wärmeverbrauchs (23, 24).

Konkrete Maßnahmen

Ein konkretes Maßnahmenbündel wird durch die Green Hospital Initiative Bayern bereitgestellt. Sind Pflicht- und Regelkategorien hinreichend erfüllt, können Krankenhäuser in Bayern über das Siegel „Green Hospital Bayern“ durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ausgezeichnet werden (15, 25). 2013 und 2016 wurden jeweils 7 Krankenhäuser als „Green Hospital Bayern“ ausgezeichnet (15). Zudem können Einrichtungen einen „Green Hospital – Quick Check“ durchführen und so zum Beispiel weitere Einsparpotenziale identifizieren (26).

Das Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels gilt als erstes Green Hospital in Bayern und als deutsches Best-Practice-Beispiel. Nach 9-jähriger Planungs- und Bauphase wurde es im Sommer 2018 eröffnet (27). Im Rahmen des Baus wurden viele der oben genannten Aspekte umgesetzt, wie zum Beispiel die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien, die Wahl des Standorts sowie die Lärmminimierung und der Einbau von Photovoltaikanlagen in die Gebäudefassade und das Dach (27).

Als weiteres nachhaltiges Krankenhaus konnte das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden identifiziert werden (28). Maßnahmen, die im Rahmen der Initiative Carus Green seit 2011 umgesetzt wurden, umfassten den Einsatz von Recyclingpapier, das Sammeln von gebrauchten Stiften für Recyclingprojekte, die Abschaltung der Klimaanlagen in OP-Sälen während der betriebsfreien Zeit sowie die Subvention von Fahrrädern für Mitarbeiter (28). Carus Green veröffentlicht dazu aktuelle Umweltberichte, die ihre Arbeit und daraus resultierende Veränderungen aufzeigen (29). Für dieses Umweltmanagement wurden sie 2015 mit dem Sächsischen Umweltpreis geehrt (28, 29).

Nachhaltigere Versorgung

Zusammengefasst konnten deutschlandweit einige Initiativen identifiziert werden, die zu einer nachhaltigeren Gesundheitsversorgung beitragen. Diese betreffen nahezu ausschließlich die in der Grafik genannten Maßnahmen des Green- Hospital-Ansatzes, die sich vor allem auf die Gebäudeplanung, Abfall- und Abwassermanagement sowie den Bereich Ernährung beziehen. Eine wissenschaftliche Begleitung dieser Umstrukturierungsmaßnahmen konnte für deutsche Einrichtungen nicht erfasst werden. Der Nutzen dieses Green-Hospital-Ansatzes kann, vor allem im internationalen Kontext, jedoch wie folgt beschrieben werden.

Eine Umstrukturierung der Krankenhäuser hin zu einer nachhaltigeren Gebäudeinfrastruktur kostet die jeweiligen Betreiber hohe Summen. Genaue Angaben dazu konnten nur vereinzelt erhoben werden. Angaben zu erzielten Einsparungen und Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten und Angestellten sind hingegen bei vielen der Artikel und Datenbanken aufgeführt. Allen et al. (8) untersuchten im Rahmen eines systematischen Reviews 2015 den Einfluss von grünen Gebäuden auf die Gesundheit der Bewohner. Im Rahmen der Analyse konnte festgestellt werden, dass selbst in Studien mit kleiner Fallzahl Effekte durch eine grüne Bauweise im Vergleich zu konventionellen Gebäuden gemessen werden konnten. Dies umfasst die Verbesserung der Luftqualität, der Sauberkeit, des Wohlbefindens der Bewohner sowie weitere Aspekte. Es konnte zudem gezeigt werden, dass Allergien, Asthma und andere Atemwegserkrankungen sowie Stress signifikant abnahmen (8).

Höhere Zufriedenheit

Darüber hinaus nahm die Produktivität der Angestellten in grünen Bürogebäuden zu. Auch in Bezug auf Krankenhausgebäude konnten die Angestelltenzufriedenheit und die Behandlungsqualität erhöht und die Patientensterblichkeit sowie die Dauer für die Besetzung einer offenen Stelle gesenkt werden (8). Insgesamt konnte nachgewiesen werden, dass der Bau von grünen Gebäuden genau die Aspekte aufgreift und positiv beeinflusst, die in der Literatur als gesundheitsschädliche Folgen der Umweltveränderungen dargestellt werden (8).

Suwasono et al. (30) konnten eine signifikante Erhöhung der Patientenzufriedenheit durch einen erhöhten Komfort aufgrund von Erholungsmöglichkeiten wie einem Garten und frischer Luft im Gebäude nachweisen. Auch ein strukturiertes Abfallmanagement konnte die Zufriedenheit von Patienten und Angestellten erhöhen.

Effekte, die im deutschen Best-Practice-Beispiel in Lichtenfels gezeigt wurden, umfassen die Reduzierung der CO2-Emissionen um 75 % sowie eine berechnete Senkung des Beleuchtungsstromverbrauchs um 60 % durch den Einbau von OLED-Leuchten. Der Bau des Klinikums kostete ca. 112 Millionen Euro, die Größe der Einsparungsbeträge konnte in diesem Rahmen nicht ermittelt werden (27).

Weitere Artikel bestätigen jedoch hohe Einsparpotenziale, die jährlich bis in den Millionenbereich reichen, die in deutschen Kliniken durch eine nachhaltigere, grüne Bauweise ausgeschöpft werden können (21). Kosten-Nutzen-Analysen sind jedoch nur individuell für eine Gesundheitseinrichtung auswertbar und können nicht verallgemeinert werden. Im Rahmen dieser Recherche konnte keine veröffentlichte Kosten-Nutzen-Abwägung identifiziert werden.

Bei der zur Umsetzung des Green-Hospital-Ansatzes notwendigen Umstrukturierung der Krankenhäuser werden außerdem Barrieren beschrieben, die das Vorhaben beeinflussen können: Gesundheitseinrichtungen müssen 24 Stunden am Tag zugänglich sein und können nicht ohne Konsequenzen geschlossen werden (9). Ein Umbau oder eine Umstrukturierung muss daher so organisiert sein, dass die Funktionen der Einrichtungen dadurch nicht behindert werden. Dies betrifft auch den Bereich der Hygiene, der durch eine umweltfreundlichere Anpassung der genutzten Mittel nicht vernachlässigt werden darf (11). Auch der übermäßig anfallende Abfall stellt eine Barriere dar (11). Mögliche Alternativen, wie die Einsparung von Verpackungen, könnten in Konflikt mit hygienischen Anforderungen stehen. Diese Barrieren und der generell erhöhte Energie- und Wasserverbrauch von Gesundheitseinrichtungen verlangt innovative Lösungen.

Bedürfnisse erfassen

Neben Kosten-Nutzen-Analysen und dem Einfluss auf die Gesundheit und die Umwelt ist es für die zukünftige Entwicklung von Green Hospitals essenziell zu erfassen, welche Bedürfnisse Mitarbeiter, Patienten und andere Nutzer der betreffenden Gesundheitseinrichtung mitbringen. Werden diese nicht in der Umstrukturierung zum Green Hospital berücksichtigt, kann dies die Zufriedenheit der Nutzer und somit den Nutzen des Umbaus negativ beeinflussen (17).

Der Nutzen einer Umstrukturierung zu einem Green Hospital konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden. Für eine objektive Abwägung der tatsächlichen Kosten und des Nutzens werden jedoch ausführlichere Informationen zu beiden Analysegrößen benötigt. In diesem Zusammenhang könnte ebenso infrage gestellt werden, inwieweit beispielsweise die CO2-Emissionen, die ein Umbau oder die Produktion der nachhaltigen Baumaterialien oder ähnliche anfallende Maßnahmen ausschütten, die gemessenen Einsparungen der fertiggestellten Einrichtungen ausgleichen. Einige Artikel geben Hinweise auf Einsparungen bei langfristiger Betrachtung des Verbrauchs (28).

Wie auch an anderen Stellen im Bausektor verfolgen viele Krankenhäuser durch die Umstrukturierung zum Green Hospital primär ökonomische Ziele (21). Es wird diskutiert, ob auch finanzielle Anreize durch eine Zertifizierung oder Subventionen zum Bau eine Rolle in der Entscheidungsfindung des Klinikmanagements spielen (31).

Einige Gesundheitseinrichtungen äußern jedoch primär den Wunsch, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern, weisen jedoch nicht das notwendige Kapital auf, um sich spezialisierte Bauunternehmen und einen Umbau leisten zu können (31). Es ist zu überlegen, gerade diese Einrichtungen staatlich finanziell zu subventionieren, um die nachhaltige Unternehmenskultur in Deutschland weiter zu fördern.

Unabhängig von genannten ökonomischen Anreizen in der Entscheidungsfindung bringt der Nutzen des Green-Hospital-Ansatzes durch finanzielle Einsparungen positive, ökologische „Nebenwirkungen“ mit sich. Die genannten Einsparungen sind auf einen verringerten Verbrauch von Energie, Wasser, Abfall oder CO2 zurückzuführen und bringen somit gleichzeitig einen ökonomischen und einen ökologischen Nutzen (32).

Hochrechnungen zeigen, dass die vorhergesagte Erwärmung in Deutschland um bis zu 5° C durch eine generelle Senkung der Emissionen auf eine Erwärmung um 1,6° C gesenkt werden kann (2). Eine nachhaltige Krankenhausführung kann einen erheblichen Beitrag dazu leisten. Zudem sollte untersucht werden, inwiefern auch ambulante Gesundheitseinrichtungen die Senkung des Einflusses des Gesundheitssektors auf die Umwelt unterstützen können.

Ethische Verantwortung

Auch der direkte Einfluss auf die Behandlungsqualität und die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Patienten sowie auf den Gesundheitszustand der umliegenden Bevölkerung unterstreicht die hohe Relevanz des Green-Hospital-Ansatzes (8). Darüber hinaus tragen Gesundheitseinrichtungen und deren Mitarbeiter eine große ethische Verantwortung, da sie einen hohen Einfluss auf die Bevölkerung und deren umweltgerechtes und damit auch gesundheitsförderndes Verhalten haben (33).

Da sich der Green-Hospital-Ansatz neben der Anpassung der Ernährung nahezu ausschließlich auf bauliche Maßnahmen bezieht, ist darüber hinaus eine genaue Analyse der Versorgungsprozesse sinnvoll, sodass Gesundheitseinrichtungen zum Beispiel durch Verhaltensänderungen auch ohne Umbauarbeiten zu einer nachhaltigeren Gesundheitsversorgung beitragen können. Die Versorgungsforschung kann ein Vehikel sein, um diese unbekannten Potenziale zu identifizieren.

Nicola Litke, M. Sc.,

Dipl.-Soz. Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi,

Prof. Dr. Michel Wensing

Aline Weis, M. Sc.

Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg

Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Dieser Artikel unterliegt nicht dem Peer-Review-Verfahren.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1120
oder über QR-Code.

5 Kernaussagen

  • Der Gesundheitssektor ist für die Produktion von 4,4 % der globalen Treibhausgase wie CO2 verantwortlich und liegt damit über den Emissionen des Flugverkehrs und der Schifffahrt.
  • In Deutschland existiert derzeit keine einheitliche Strategie, die Gesundheitsversorgung ökologisch nachhaltiger zu gestalten.
  • Der Green-Hospital-Ansatz hat zum Ziel, den Einfluss von Krankenhäusern auf deren Umwelt zu reduzieren.
  • Übliche Green Hospital-Maßnahmen umfassen eine effiziente Wassernutzung, erhöhte Energieeffizienz, die Verbauung von umweltfreundlichen Materialien und weitere Schritte hin zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen.
  • Green Hospitals beeinflussen auch die Gesundheit und die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern positiv.
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