ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Alzheimer: Aus für Angehörigenberatung

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Alzheimer: Aus für Angehörigenberatung

Heinz, Marlies

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LNSLNS "Zu meinem großen Erstaunen wurde erstmals auch nach meinem Empfinden gefragt, danach, wie ich mit der Krankheit meines Mannes leben kann, mit seiner wachsenden Aggressivität, seinen Wahnvorstellungen. . . ich lernte es, mich zu offenbaren." Die Frau, die kürzlich auf einer Informationsveranstaltung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. und der Hirnliga e.V. in Leipzig sprach, beendete ihre Schilderung mit den Worten: "Nun habe ich die Kraft, meinen Mann bei mir zu behalten. Ich danke allen, die mir geholfen haben, so gefaßt zu sein."
Doch dieser Dank hat teilweise keine Adresse mehr, denn die professionelle Beratung der Angehörigen von mehr als 250 Alzheimer-Patienten wurde vor einigen Wochen in Leipzig eingestellt. Sie war drei Jahre lang angesiedelt an der Abteilung medizinische Psychologie und Soziologie der Universität Leipzig und wurde aus Forschungsmitteln des Bundes finanziert. Lange hatten die Leipziger Wissenschaftler argumentiert, daß man ohne den engen Kontakt zu den Pflegenden auch die Forschung nicht vorantreiben könne. Doch das Ende ließ sich nicht mehr hinausschieben.

2000 DM würden reichen
Zwar arbeitet inzwischen in Leipzig eine sehr kompetente Selbsthilfegruppe, aber, so Psychologin Gabriele Wilz: "Selbsthilfe für Angehörige kann im Fall Alzheimer nur aus einem professionell betreuten Einstieg in die Problembewältigung hervorgehen. Nach unserer Erfahrung ist es optimal, etwa anderhalb Jahre mit den Angehörigen zu arbeiten, im Dialog und in der Grupppe, und da wiederum getrennt nach pflegenden Ehepartnern und anderen Angehörigen." Gabriele Wilz, die die Betreuungsstelle mit aufgebaut hatte, macht eine Rechnung auf, was es kosten würde, den Anlaufpunkt zumindest für zwei Gruppengespräche pro Woche und ein paar individuelle Beratungen aufrechtzuerhalten: rund 2 000 DM im Monat.
Wie also weiter ohne Angehörigenberatung? Immerhin leben in Leipzig und Umgebung rund 7 000 AlzheimerKranke und ein Vielfaches an betroffenen Angehörigen. Gabriele Wilz will nochmals einen Forschungsantrag stellen und trotz bereits erfolgter Ablehnung wieder Kontakt zu den Krankenkassen aufnehmen. Bei der kurzfristigen Überbrückung könnte auch eine ABM-Stelle helfen. Dr. Bodo Gronemann, Leiter des Gesundheitsamtes, und Stadträtin Christine Clauß, Vertreterin der AOK, sicherten dem Anliegen Unterstützung zu. Das Thema "Alzheimer" wird auf jeden Fall nicht vergessen: Bis zum Sommer soll eine Alzheimer-Gesellschaft Leipzig etabliert werden. Für Juni 1997 wird schließlich ein Alzheimer-Kongreß in dieser Stadt vorbereitet. Marlies Heinz

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