ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2020Nebenwirkungen bei Hämodialyse: Difelikefalin verringert schwere Symptome des urämischen Pruritus

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nebenwirkungen bei Hämodialyse: Difelikefalin verringert schwere Symptome des urämischen Pruritus

Heinzl, Susanne

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Foto: Science Photo Library/PHANIE BURGER
Foto: Science Photo Library/PHANIE BURGER

Mehr als 60 % der Dialysepatienten leiden unter urämischem Pruritus. Bislang gibt es in Europa und den USA keine zugelassene Therapie. Der Leidensdruck durch den Juckreiz ist jedoch sehr hoch, sodass dringend Bedarf an wirksamen Behandlungsmöglichkeiten besteht. Nun wurde Difelikefalin in der Phase-III-Studie KALM 1 untersucht.

Difelikefalin ist ein peripher wirkender selektiver κ-Opioidrezeptor-Agonist, der den Juckreiz durch Aktivierung von κ-Opioidrezeptoren auf peripheren Neuronen hemmen kann.

In die doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studie wurden 378 wegen chronischer Nierenerkrankung hämodialysierte Patienten eingeschlossen, die an einem mittelstarken bis starken Pruritus litten. Randomisiert erhielten sie über 12 Wochen Difelikefalin (0,5 µg/kg Körpergewicht) oder Placebo 3-mal wöchentlich. Primärer Endpunkt war eine Verbesserung von mindestens 3 Punkten vom Ausgangswert in Woche 12 im durchschnittlichen Wochenscore der 24-hour Worst Itching Intensity Numerical Rating Scale (WI-NRS).

Der primäre Endpunkt wurde bei 51,9 % (82/158) Patienten unter Difelikefalin erreicht, es kam nach 12 Wochen zur Verbesserung des Juckreizes um mindestens 3 Score-Punkte, in der Placebo-Gruppe war dies bei 30,9 % (51/165) Patienten der Fall. Der Unterschied war mit einer Odds-Ratio von 2,49 signifikant (p < 0,001). Der Behandlungseffekt war schon nach der ersten Woche sichtbar.

Auch in allen sekundären Endpunkten erwies sich Difelikefalin als signifikant besser als Placebo. So wurde der Juckreiz bei signifikant mehr Patienten um mindestens 4 Score-Punkte gesenkt und die Difelikefalin-Injektionen führten nach 12 Wochen zu einer signifikant besseren Lebensqualität.

Unerwünschte Wirkungen wurden von 68,8 % Patienten unter Difelikefalin und von 62,2 % unter Placebo berichtet. Häufigste Nebenwirkungen in der Difelikefalin-Gruppe waren Durchfall, Benommenheit und Erbrechen. Sie waren meist leicht bis mittelschwer und klangen ohne Folgen ab.

Fazit: Difelikefalin über 12 Wochen gegeben senkt die Intensität des urämischen Pruritus bei Hämodialyse-Patienten mit chronischer Nierenerkrankung rasch und ausgeprägt im Vergleich zu Placebo.

„Difelikefalin erweist sich in der dieser Phase-3-Studie als sehr interessante Therapiealternative mit sehr raschem Wirkungseintritt innerhalb einer Woche“, so Prof. Dr. med. Vedat Schwenger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen am Klinikum der Stadt Stuttgart. Aufgrund des hohen Leidensdrucks handele es sich um eine sehr interessante Therapieoption. „Auffällig in der Studie waren zum Beispiel eine erhöhte Diarrhö-Rate (9,5 vs. 3,7 %) und vermehrte Benommenheit (6,9 vs. 1,1 %).“ Schwere Nebenwirkungen seien jedoch nicht häufiger gewesen.

Schwenger weist auch darauf hin, dass es nach Aussage der Autoren keine Evidenzen für Abhängigkeit gab. Aber: „Dieses Risiko besteht jedoch potenziell. Weitere Studien und klinische Daten werden insbesondere das Nebenwirkungsprofil noch näher beleuchten.“ Ein Vorteil sei, dass die Substanz vermutlich bald zur oralen Applikation zur Verfügung stehe, denn aktuell werde Difelikefalin als orale Medikation bei atopischer Dermatitis geprüft. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Fishbane S, et al.: A phase 3 trial of difelikefalin in hemodialysis patients with pruritus. N Engl J Med. 2020; 382: 222–232.

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