ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2020Krankenhausmanagement: Tipps für mehr Klimaschutz

MEDIZINREPORT

Krankenhausmanagement: Tipps für mehr Klimaschutz

Eckert, Nadine

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Auch im Gesundheitssektor stehen Klimaschutz und Nachhaltigkeit hoch im Kurs. Die Kinder- und Jugendmedizinerin Edda Weimann begleitet mittlerweile das zweite Krankenhaus auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit und gibt Tipps für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen.

Alles müsse mit einer Vision von mehr Nachhaltigkeit beginnen, betont Weimann im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, dürfe damit aber nicht enden. Nur allzu oft würden solche Visionen in irgendwelchen Schubladen verschwinden. Eben dort fand Weimann die Nachhaltigkeitsstrategie des Groote Schuur Hospital der Universität Kapstadt, als sie 2015 als Klinikleiterin und Professorin für Kinderheilkunde, Pädiatrische Endokrinologie, nach Südafrika ging.

Das wollte Weimann, die überzeugt ist, dass es gegen den hippokratischen Eid verstößt, als Ärztin nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen, nicht hinnehmen – mit Erfolg. Als sie Südafrika 2019 wieder verließ, hatte das Krankenhaus seinen Wasser- und Kohleverbrauch halbiert (1).

Das Erfolgsgeheimnis: „Es muss ein detaillierter Plan aufgestellt werden, welche Ziele mit welchen konkreten Aktionen erreicht werden sollen“, so Weimann. Die Reduktion des Energieverbrauchs stellt einen der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum klimafreundlicheren Krankenhaus dar (2).

Bautechnische Maßnahmen

„Durch eine bessere energetische Isolierung, effektivere Heizungsanlagen und den Umstieg auf erneuerbare Energie wie Photovoltaik kann sehr viel Energie gespart werden“, berichtet die 56-Jährige, die mittlerweile an der Fachklinik Gaißach die Medizinische Leitung übernommen hat. Gerade mit bautechnischen Veränderungen lasse sich relativ schnell viel erreichen.

Als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit hat die Medizinerin die zentrale Beschaffung ausgemacht. Nachhaltigkeit spielt dabei bisher keine Rolle. „Es wird nur der Kostenfaktor berücksichtigt, ohne Blick für die sekundären Folgen und den gesamten CO2-Fußabdruck.“ An dieser Stelle müssten die Mitarbeiter zu einer nachhaltigeren Beschaffung legitimiert werden, sodass nicht immer der billigste Anbieter gewählt werden müsse. Weimann plädiert für allgemeingültige Richtlinien, wie sie etwa die Ge­sund­heits­mi­nis­terien in Holland und Südafrika für eine nachhaltigere Beschaffung festgelegt haben (1).

Ein weiterer Bereich, den sich Weimann nach ihrer Umsiedlung ins Oberbayrische vorgenommen hat, ist der klimafreundlichere Transport von Patienten und Personal. Nicht jeder wird wie die Klinikleiterin künftig in einem Elektromobil zur Arbeit kommen, aber es gibt andere klimaverträgliche Alternativen. So herrsche in der Klinik seit diesem Jahr die Vorgabe, Dienst- und Fortbildungsreisen innerhalb Deutschlands nur noch mit der Bahn zu unternehmen.

Ebenfalls auf dem Plan für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit steht ein effizienteres Abfallmanagement: mehr Recycling, mehr Kompostierung, weniger toxischer Abfall und vor allem ein verminderter Plastikverbrauch. Allerdings bedeutet gerade dies im Krankenhaus mitunter eine Gradwanderung zwischen Abfallvermeidung und Hygieneerfordernissen.

Weimann ist allerdings sicher: „Unter dem Deckmantel der Hygiene wird viel versteckt, was nicht immer notwendig ist.“ Auch die Interessen der Verpackungsindustrie spielten hier eine Rolle. Dass es bei den Verpackungen großes Reduktionspotenziel gebe, zeige sich zum Beispiel in Australien und den USA: „Dort wurde die Verpackungsnotwendigkeit in den Operationssälen in enger Zusammenarbeit mit Hygieneberatern reduziert“, berichtet Weimann (3, 4).

Klimafreundliches Verhalten

Auch die konsequente Reduzierung des Wasserverbrauchs in Krankenhäusern ist der Public-Health-Spezialistin ein Anliegen. Während ihres Aufenthalts in Südafrika machte das Land gerade eine große Dürre durch. „In Südafrika herrscht bereits Klimawandel im Großformat“, sagt Weimann. „Es gab lange Zeiträume, in denen nur noch minimale Wasserrationen zur Verfügung standen.“ Neben technischen Verbesserungen haben Verhaltensänderungen hier die größten Effekte.

Ähnliches gilt für die Ernährung: Speziell der Fleischkonsum müsse gemäß DGE-Richtlinien verringert werden, betont Weimann und räumt ein: „Einfach ist das nicht, denn hier ist die Küche betroffen.“ Dennoch sei es ihr mittlerweile gelungen, einen vegetarischen Tag in der Woche einzuführen. „Man muss Gewohnheiten sukzessive ändern, immer wieder aufklären und dafür sensibilisieren, dass all diese Maßnahmen nicht nur für das Klima, sondern auch für den Patienten und Mitarbeiter positive Effekte haben.“

Doch trotz aller Aufklärungsarbeit: Einen flächendeckenden Sinneswandel in der deutschen Krankenhauslandschaft zu erreichen, „das wird auf freiwilliger Basis nichts“, meint Weimann. Sie wünscht sich deshalb eine gesetzliche Verpflichtung zu mehr nachhaltigem Handeln im Gesundheitswesen. Nadine Eckert

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1120
oder über QR-Code.

1.
Weimann E, Patel B: Tackling the climate targets set by the Paris Agreement (COP 21): Green leadership empowers public hospitals to overcome obstacles and challenges in a resource-constrained environment. S Afr Med J 2016; 107 (1): 34–8 CrossRef CrossRef
2.
https://noharm-global.org/documents/health-care-climate-footprint-report
3.
Wyssusek KH, Keys MT, van Zundert AAJ: Operating room greening initiatives – the old, the new, and the way forward: A narrative review. Waste Manag Res 2019; 37 (1): 3–19 CrossRef MEDLINE
4.
Albert MG, Rothkopf DM: Operating room waste reduction in plastic and hand surgery. Plast Surg (Oakv) 2015; 23 (4): 235–8 CrossRef
1.Weimann E, Patel B: Tackling the climate targets set by the Paris Agreement (COP 21): Green leadership empowers public hospitals to overcome obstacles and challenges in a resource-constrained environment. S Afr Med J 2016; 107 (1): 34–8 CrossRef CrossRef
2.https://noharm-global.org/documents/health-care-climate-footprint-report
3.Wyssusek KH, Keys MT, van Zundert AAJ: Operating room greening initiatives – the old, the new, and the way forward: A narrative review. Waste Manag Res 2019; 37 (1): 3–19 CrossRef MEDLINE
4.Albert MG, Rothkopf DM: Operating room waste reduction in plastic and hand surgery. Plast Surg (Oakv) 2015; 23 (4): 235–8 CrossRef

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