ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Ergänzende methodische und klinische Aspekte
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Methodisch werden Rezidiv- und Mortalitätsraten anhand von Krankenkassendaten ausgewertet, wodurch – entgegen rein registerbasierten Ansätzen – individuelle Verläufe auch nach stationärer Behandlung erfasst werden (1). Verwendet werden Daten aus 2010/2011, folglich kann im Beobachtungszeitraum bis 12/2016 unter anderem die Rezidivhäufigkeit über fünf Jahre ermittelt werden. Die verwendete Definition erfasst ein Rezidiv nur dann, wenn die Lokalisation kodiert ist. Dies ist nicht erlösrelevant, wird somit nicht flächendeckend erfolgen und zu einer Unterschätzung führen. Es wird keine Differenzierung der Rezidiv- und Mortalitätsraten nach spezifischer Diagnose vorgenommen, zudem wird die Klassifizierung der I62 als Schlaganfall allgemein kritisch gesehen.

Die Ergebnisse zeigen keine großen Überraschungen und sind relativ unspezifisch. Es wird eine signifikant geringere Mortalität in Stroke Unit (SU) behandelten Patienten berichtet. Die SU-Rate (OPS8–981.0/–1, 98b.*0/–1) differierte in 2017 jedoch ICD-spezifisch zwischen 19 % (I60), 43 % (I61) und 74 % (I63) (2). Hier wäre die Stratifizierung nach Diagnose und Differenzierung auch nach Intensivaufenthalt (ICU, OPS8–980/98f) interessant. Der Einfluss einer Behandlung in der Stroke Unit auf die Rezidivhäufigkeit wird leider nicht berichtet.

Als Indikatoren einer qualitativen Schlaganfallbehandlung gelten unter anderem Versorgungsart auf spezialisierten Stationen (SU/ICU) und Rate rekanalisierender Therapien (Thrombolyse, Thrombektomie). Daher wäre die Analyse dieser Faktoren bezüglich Mortalität und Rezidivhäufigkeit für Kliniker und Versorgungsplaner von besonderem Interesse. Die bundesweite SU-Rate ischämischer Schlaganfälle ist von 2010–2017 von 53 % auf 74 % gestiegen, ebenso die Rate der Thrombolyse (8,9 % auf 15,9 %) und der Thrombektomie (0,8 % auf 5,8 %) (3, 4). Dementsprechend hätten wir eine zusätzliche Analyse der Änderungen von frühen Rezidiv- und Mortalitätsraten zwischen zum Beispiel 2010/2011 und 2015/2016 mit einer Nachbeobachtungszeit bis 12/2012 beziehungsweise 12/2017 aktuell für deutlich aussagekräftiger empfunden. Möglicherweise kann dies als Motivation für eine Folgeanalyse dienen.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0211a

Prof. Dr. med. Jens Eyding
Neurologische Klinik, Klinikum Dortmund gGmbH
Jens.Eyding@rub.de

Dr. rer. nat. Dirk Bartig
drg market, Osnabrück

PD Dr. med. Ralph Weber
Neurologische Klinik, Alfried Krupp Krankenhaus Essen

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Dipl. Psych. Werner Hacke
Neurologie und Poliklinik, Universität Heidelberg

Prof. Dr. med. Christos Krogias
Neurologische Klinik, St. Josef-Hospital Bochum, Universitätsklinik der Ruhr Universität Bochum

Interessenkonflikt
Prof. Eyding erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse sowie Reise- und Übernachtungskosten von Bayer Vital und Boehringer Ingelheim. Für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen wurde er honoriert von Bayer Vital und Boehringer Ingelheim.

Prof. Krogias erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse sowie Reise- und Übernachtungskosten von Bayer Vital und Daiichi-Sankyo. Für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen wurde er honoriert von Daiichi-Sankyo und Bayer Hellas.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Stahmeyer JT, Stubenrauch S, Geyer S, Weissenborn K, Eberhard S: The frequency and timing of recurrent stroke—an analysis of routine health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 711–7 VOLLTEXT
2.
Eyding J, Bartig D, Weber R, et al.: Inpatient TIA and stroke care in adult patients in Germany—retrospective analysis of nationwide administrative data sets of 2011 to 2017. Neurol Res Pract 2019, 1: 39 CrossRef
3.
Weber R, Krogias C, Eyding J, et al.: Age and sex differences in ischemic stroke treatment in a nationwide analysis of 1.11 million hospitalized cases. Stroke 2019, doi: 10.1161/STROKEAHA.119.026723. [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE
4.
Weber R, Eyding J, Kitzrow M, et al.: Distribution and evolution of acute interventional ischemic stroke treatment in Germany from 2010 to 2016. Neurol Res Pract 2019; 1: 4 CrossRef
1.Stahmeyer JT, Stubenrauch S, Geyer S, Weissenborn K, Eberhard S: The frequency and timing of recurrent stroke—an analysis of routine health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 711–7 VOLLTEXT
2.Eyding J, Bartig D, Weber R, et al.: Inpatient TIA and stroke care in adult patients in Germany—retrospective analysis of nationwide administrative data sets of 2011 to 2017. Neurol Res Pract 2019, 1: 39 CrossRef
3.Weber R, Krogias C, Eyding J, et al.: Age and sex differences in ischemic stroke treatment in a nationwide analysis of 1.11 million hospitalized cases. Stroke 2019, doi: 10.1161/STROKEAHA.119.026723. [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE
4.Weber R, Eyding J, Kitzrow M, et al.: Distribution and evolution of acute interventional ischemic stroke treatment in Germany from 2010 to 2016. Neurol Res Pract 2019; 1: 4 CrossRef

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