ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Internationaler Public-Health-Kongress: Bessere Gesundheit - höhere Lebenserwartung?

THEMEN DER ZEIT: Berichte

Internationaler Public-Health-Kongress: Bessere Gesundheit - höhere Lebenserwartung?

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-440 / B-352 / C-330

Kerek-Bodden, Hedy; Heuer, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Freiburger Kongress erörterte Forschungsergebnisse des Förderprogramms.

Einer Gesundheitsreform folgen - kaum, dass sie umgesetzt werden konnte - in knappem Zeitabstand die nächsten. Änderungen der Gebührenordnungen und der ärztlichen Vergütungsmodalitäten häufen sich. Dies mag der Eindruck der vergangenen Dekade sein. Für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens, der Prävention, Diagnostik und Therapie sowie deren Finanzierbarkeit ist ein Fundus valider Daten unabdingbar.
Eine wesentliche Aufgabe der Gesundheitswissenschaften/Public Health ist der Transfer der Forschungsergebnisse in die Versorgungspraxis und Politikberatung.
In Deutschland hat die Entwick-lung auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften/Public Health im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern Mitte der 80er-Jahre relativ spät eingesetzt. Vonseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden seit 1992 mit einem Fördervolumen von mehr als 100 Millionen DM fünf Public-Health-Forschungsverbünde (Bayerischer, Berliner, Norddeutscher, Nordrhein-Westfälischer - und Sächsischer Forschungsverbund) unterstützt.
Inzwischen Anschluss erreicht
Ein Themenschwerpunkt des Internationalen Public-Health-Kongresses in Freiburg war die Darstellung der Forschungsergebnisse dieses Förderprogramms. Aus der Sicht des neuen Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH), Professor Dr. rer. soz. Bernhard Badura, Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, scheint nun der Anschluss an die internationale Entwicklung insgesamt gesehen gelungen, "das Public-Health-Glas ist schon halb voll".
Angesichts der Jahrtausendwende sollte mit diesem Kongress das Erreichte beurteilt sowie Entwicklungen, Potenziale und Perspektiven für die Zukunft diskutiert werden.
Public Health als Gesundheitswissenschaft umfasst das extrem breite Spektrum von der Gesund­heits­förder­ung, über die Krankheitsverhütung, die Krankheitsbekämpfung bis hin zur Rehabilitation. Über diesen umfangreichen und interdisziplinären Themenkanon diskutierten in Freiburg nahezu 1 400 Teilnehmer.
Wie gesund sind die Deutschen?
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind neben den Infektionen die größte Erkrankungsgruppe. Hinsichtlich des Rückgangs der kardiovaskulären Erkrankungen liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem Mittelplatz und verharrt dort. In anderen Ländern wurde dagegen gezeigt, dass Lebensstil und Prävention die Erkrankungshäufigkeit, Schwere und Sterblichkeit günstig beeinflussen. Die Prävention muss insofern verstärkt und besser vergütet werden. Die Mortalitätsstatistik belegt, dass die Lebenserwartung der Deutschen in den letzten 50 Jahren zugenommen hat. Im Vergleich zu anderen Ländern der OECD-Statistik hat sich die Position in der Rangliste jedoch kaum verbessert, obwohl Deutschland bei den Aufwendungen für Behandlung, Rehabilitation und Pflege weltweit mit am großzügigsten war. Für die Dauer und die Qualität des Lebens - darüber stimmen die Public-Health-Experten weithin überein - sind sozio-ökonomische Einflüsse ausschlaggebend. In der Fülle der mehr als 600 Einzelvorträge nahmen die Themen Qualität und Leitlinien breiten Raum ein. Die Behandlungsqualität bei Operationen wird zunehmend nicht nur nach eingetretenen Komplikationen beurteilt, sondern auch nach der Patientenzufriedenheit. Die Patientenorientierung wurde beim Kongress generell als zukünftiges Forschungsziel thematisiert. Eine multizentrische Evaluierung subakromialer Dekompressionen mit endoskopischem Verfahren ergab, dass sich die behandelten Patienten nach ambulanter Operation genauso zufrieden oder eher zufriedener als nach stationärer Operation äußern. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, verursachte eine ambulant durchgeführte subakromiale Dekompression geringere Kosten je Fall, verglichen mit einer Operation im Krankenhaus.
In einer Befragung über Leitlinien zu Diagnostik und Therapie des Lungenkarzinoms wurde deutlich, dass neben Leitlinien von Tumorzentren in hohem Maß eigene Leitlinien von den befragten Klinikärzten eingesetzt werden. Die Befragten wünschten, dass die vorliegenden Leitlinien um Aussagen zu den Kosten der jeweiligen Therapien und zur Lebensqualität ergänzt werden sollten.
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) präsentierte sich in mehreren Workshops. Der MDK will nicht nur wie früher Einzelfälle begutachten, sondern zunehmend die Krankenkassen bei strategischer Planung beraten.
Hedy Kerek-Bodden, Joachim Heuer

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema