ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Videosprechstunde: Nicht in einen Topf mit Amazon
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Ich rechne mich durchaus zur innovativen Ärztegeneration, die sowohl beruflich als auch privat Smartphone und PC nutzt, um Kontakte zu er- und sich beruflich und allgemein auf dem Laufenden zu halten ... . Dennoch bereitet mir die Vorstellung einer Videosprechstunde Bauchschmerzen: Erstens, da wir regelmäßig über die ausgeschriebenen Sprechstundenzeiten hinaus live am und mit dem Patienten arbeiten und ich im Anschluss kein Zeitfenster mehr für Videoberatung zur Verfügung habe; zweitens ist es ... Aufgabe des Arztes, den Patienten mit allen Sinnen zu erfassen. Gerade Klein- und Kleinstkinder/Säuglinge müssen ganz erlebt werden, um zwischen einem banalen Infekt und einer evtl. lebensbedrohlichen Dehydration zu unterscheiden; hier kann man oft schon in den ersten „live erlebten“ Sekunden ohne lange Anamnese zum entscheidenden Schluss kommen, ob eine stationäre Überwachung erforderlich ist. Auch für die Beratung von Erwachsenen gilt dies selbstverständlich: So manches Schonhinken beim Betreten des Sprechzimmers, manches Rasselgeräusch der Lunge und manche Nuance im persönlichen geschützten Zweiaugengespräch ginge bei der Bildschirmübertragung verloren.

Ob die Patienten dies wirklich wünschen? Ich jedenfalls schätze den direkten Kontakt zu meinen Patienten und kann mir die Ausweitung von Videosprechstunden nicht vorstellen – die Medizin ist nun mal nicht mit Online-Banking und Amazon-Schnäppchen in einen Topf zu werfen!

 Dr. med. Meike Ott-Tiemann, 64850 Schaafheim

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