ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Randnotiz: Krise in der Krise

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Randnotiz: Krise in der Krise

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-571 / B-495

Korzilius, Heike

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In Deutschland steht das öffentliche Leben so gut wie still. Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Unternehmen schicken ihre Beschäftigten ins Homeoffice, Konferenzen und Konzerte werden abgesagt. Denn zur Eindämmung des Coronavirus sollen Menschenansammlungen möglichst vermieden werden.

Man sollte glauben, dass Maßnahmen, die von Virologen inzwischen in weiten Teilen Europas und der Welt empfohlen werden, auch auf den griechischen Inseln greifen. Tun sie aber nicht. Dort harren – um nur ein Beispiel zu nennen – im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos 20 000 Männer, Frauen und Kinder monatelang unter hygienisch katastrophalen Umständen aus, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Ausgerichtet ist das Lager für knapp 3 000 Menschen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat jetzt angesichts der ersten bestätigten Infektion bei einer Griechin auf Lesbos die umgehende Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln gefordert. Die Lebensbedingen in den Hotspots auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos seien ein idealer Nährboden für COVID-19. In einigen Bereichen des Lagers in Moria teilen sich nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen 1 300 Bewohner eine Wasserzapfstelle, Seife gibt es nicht. Familien mit drei oder vier Kindern müssen zusammen auf drei Quadratmetern schlafen – Sicherheitsabstand unmöglich.

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Moria, das größte Flüchtlingslager in Europa, ist zum Sinnbild einer verfehlten Migrationspolitik der Europäischen Union geworden. Der humanitäre Ausverkauf gefährdet jetzt akut die Gesundheit Zehntausender.

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