ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: EGFR-Tyrosinkinase-Hemmer der dritten Generation wirksamer als solche der ersten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: EGFR-Tyrosinkinase-Hemmer der dritten Generation wirksamer als solche der ersten

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-606 / B-520

Gulden, Josef

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Foto: Science Photo Library/EYE OF SCIENCE
Foto: Science Photo Library/EYE OF SCIENCE

Nichtkleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC) mit aktivierenden Mutationen im Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) können mit EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren (EGFR-TKI) behandelt werden. Der Drittgenerations-TKI Osimertinib war zunächst für Patienten entwickelt und zugelassen worden, die wegen einer p.T790M-Mutation im EGFR gegen andere Substanzen resistent geworden waren. In der Phase-3-Studie FLAURA hatte er sich aber auch in der Erstlinie bei nichtresistenten Patienten gegenüber den Erstgenerations-EGFR-TKI Gefitinib und Erlotinib überlegen gezeigt – zunächst nur beim progressionsfreien Überleben. Nun sind die Daten zum Gesamtüberleben publiziert worden.

Die 556 Patienten mit nicht vorbehandeltem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit Exon-19-Deletionen oder p.L858R-Punktmutation im EGFR hatten randomisiert entweder einen der beiden Erstgenerations-Inhibitoren oder Osimertinib erhalten.

Das Risiko für Progression oder Tod – der primäre Endpunkt – war mehr als halbiert worden (Hazard Ratio [HR]: 0,46). In der aktuellen Auswertung ergab sich auch für den sekundären Endpunkt, das Gesamtüberleben, eine signifikante Verbesserung unter dem Drittgenerations-TKI: Patienten der Osimertinibgruppe überlebten median 38,6 Monate, unter Therapie mit Erlotininb oder Gefitinib lag das mediane Gesamtüberleben bei 31,8 Monaten (HR: 0,80; 95,05-%-Konfidenzintervall [95,05-%-KI] [0,64; 1,00]; p = 0,046).

Dies galt auch für Patienten mit zu Studienbeginn vorliegenden Hirnmetastasen, die in anderen Studien teilweise ausgeschlossen werden.

In der FLAURA-Studie ergab sich allerdings kein Vorteil in der Überlebenszeit bei Patienten asiatischer Herkunft und in der Gruppe der Teilnehmer mit einer EGFR-Exon-21-Mutation im Tumor. Die mediane Behandlungsdauer betrug 20,7 Monate mit Osimertinib gegenüber 11,5 Monaten unter den beiden Erstgenerations-TKIs.

Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 waren unter Osimertinib trotz längerer Behandlungsdauer mit 42 % versus 47 % im Kontrollarm leicht reduziert.

Fazit: „Diese Daten mit einem signifikanten Überlebenszugewinn von median mehr als einem halben Jahr bestätigen die Überlegenheit von Osimertinib in der Erstlinie“, kommentiert Prof. Dr. med. Martin Reck, Leiter der Onkologie in der LungenClinic Grosshansdorf.

„Die Substanz war ursprünglich zur Überwindung der Resistenzmutation p.T790M im EGFR entwickelt worden“, so Reck. „Aber die FLAURA-Studie zeigt, dass sie auch bei Patienten ohne diese Mutation den Erstgenerations-TKIs überlegen ist. Allerdings brauchen wir weitere Daten, um die Effektivität bei bestimmten Patientengruppen zu verstehen, zum Beispiel den asiatischen Patienten.“

Die Zulassungserweiterung auf die Erstlinientherapie war bereits im Jahr 2018 aufgrund der Daten zum progressionsfreien Überleben erfolgt. Josef Gulden

Ramalingam SS, Vansteenkiste J, Planchard D, et al.: Overall survival with osimertinib in untreated, EGFR-mutated advanced NSCLC. N Engl J Med 2020; 382: 41–50.

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