ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Lufterfrischer und Sprays: Reinigungsmittel im Haushalt können Asthmaerkrankungen im Kindesalter fördern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lufterfrischer und Sprays: Reinigungsmittel im Haushalt können Asthmaerkrankungen im Kindesalter fördern

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-610 / B-522

Meyer, Rüdiger

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Foto: victoria p/stock.adobe.com
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In Haushalten, in denen zahlreiche Reinigungsmittel benutzt werden, erkranken die Kinder in den ersten 3 Lebensjahren häufiger an Atemwegsbeschwerden und Asthma. Dies ergab eine prospektive Beobachtungsstudie, in der allerdings kein erhöhtes Risiko auf Atopien festgestellt werden konnte.

Reinigungsmittel gelten als mögliche Auslöser eines allergischen Asthma bronchiale, das im Erwachsenenalter gelegentlich auch als Berufserkrankung anerkannt wird. Kleinkinder, die sich viel auf dem Fußboden bewegen, sind häufiger exponiert. Die ersten Lebensjahre gelten zudem als eine vulnerable Phase, in der viele Asthmaerkrankungen ihren Anfang nehmen.

Dies haben Tim Takaro und sein Team von der Simon Fraser University in Vancouver nun anhand der CHILD-Studie („Canadian Healthy Infant Longitudinal Development“) genauer untersucht. Die CHILD-Studie begleitet 3 455 Kinder aus 4 kanadischen Großstädten seit der Schwangerschaft ihrer Mütter in den Jahren 2009 bis 2012. Die Eltern von 3 bis 4 Monate alten Kindern beantworteten per Fragebogen, wie oft und welche Reinigungsmittel im Haushalt benutzt wurden. Die Analyse ergab, dass ein häufiger Gebrauch von Reinigungsmitteln in den ersten Lebensjahren häufiger mit asthmaartigen Beschwerden (Wheezing) und der Diagnose Asthma korreliert war als ein sparsamer Einsatz. Die Forscher bildeten hierfür Quartile und ermittelten eine adjustierte Odds Ratio für die Interquatilabstände. Diese betrug für das Wheezing 1,35, für ein rezidivierendes Wheezing mit einer Atopie 1,49 und für eine Asthmadiagnose bis zum 3. Lebensjahr 1,37.

Fazit: Die höchsten Odds Ratios fanden die Forscher für Lufterfrischer sowie für Reinigungssprays. Sie vermuten, dass die volatilen Reinigungsmittel eingeatmet werden, die Atemwege irritieren, was dann die Asthmaentwicklung triggert. Eine weitere mögliche Pathogenese wird von den Autoren nicht diskutiert: Der häufige Einsatz von Reinigungsmitteln könnte in der Wohnung die Antigene beseitigen, die in den ersten Monaten vom Immunsystem für eine Toleranzentwicklung benötigt werden. Nach der sogenannten Hygienehypothese ist dies eine wichtige Ursache von allergischen Erkrankungen. Rüdiger Meyer

Parks J, et al.: Association of use of cleaning products with respiratory health in a Canadian birth cohort. CMAJ 2020; 192 (7): E154-61.

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