ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Andreas du Bois, Rita Schmutzler, Andreas Trumpp: Drei Preisträger für onkologische Spitzenforschung

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Andreas du Bois, Rita Schmutzler, Andreas Trumpp: Drei Preisträger für onkologische Spitzenforschung

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-619 / B-527

Zylka-Menhorn, Vera

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Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den höchsten Auszeichnungen in der Onkologie. In diesem Jahr wurden Prof. Dr. med. Andreas du Bois (Klinische Forschung), Prof. Dr. med. Rita Schmutzler (Translationale Forschung) und Prof. Dr. med. Andreas Trumpp (Experimentelle Forschung) anlässlich des 34. Deutschen Krebskongresses in Berlin geehrt.

Andreas du Bois, Foto: Udo Geisler
Andreas du Bois, Foto: Udo Geisler

Als junger Oberarzt gründete Andreas du Bois die Arbeitsgruppe Gynäkologische Onkologie (AGO), die heute zu den weltweit aktivsten in der Durchführung klinischer Studien zum Ovarialkarzinom zählt. Diese Studien haben die Therapieformen nachhaltig geprägt. Beispiele hierfür sind der global noch immer gültige Standard Carboplatin-Paclitaxel sowie die Einführung der PARP-Inhibitoren und der Angioneogenese-Hemmstoffe beim Ovarialkarzinom. „Früher konnten wir bei Eierstockkrebs jede vierte Frau retten, inzwischen jede zweite. Aber es geht noch deutlich mehr“, sagt du Bois, der im Huyssenstift Klinikum Essen-Mitte eines der europaweit größten Zentren für gynäkologische Onkologie leitet. Da etwa ein Drittel der Ovarialkarzinome genetisch bedingt ist, kooperieren du Bois und sein Team mit dem Deutschen Konsortium „Familiärer Brust- und Eierstockkrebs“ an der Universitätsklinik Köln.

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Rita Schmutzler, Foto: MFK
Rita Schmutzler, Foto: MFK

Hier ist die Schnittstelle zur Preisträgerin Rita Schmutzler, einer Pionierin der risikoadaptierten Prävention bei familiär bedingtem Brust- und Eierstockkrebs. „Für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, wie hoch ihr individuelles Risiko ist, nach der Primärerkrankung möglicherweise ein zweites Mal zu erkranken, welche Familienmitglieder auch ein erhöhtes Krebsrisiko tragen und wie man sich davor schützen kann“, so Schmutzler. Sie hat als Koordinatorin des Konsortiums ein Konzept der wissengenerierenden Versorgung auf dem Gebiet der risikoadaptierten Prävention entwickelt, das mittlerweile in 20 Konsortialzentren umgesetzt wird; diese beraten und betreuen ratsuchende Familien nach einheitlichen Standards sowie auf Basis einer umfangreichen Biobank und Genpanelanalysen.

Andreas Trumpp, Foto: DKFZ
Andreas Trumpp, Foto: DKFZ

Andreas Trumpp untermauerte mit seinen grundlegenden Arbeiten das Konzept der Tumorstammzellen. Sein Hauptaugenmerk gilt der Aufklärung der molekularen und zellulären Grundlagen der Selbsterneuerung von hämatopoetischen Stammzellen (HSCs) des blutbildenden Systems. Er konnte zeigen, dass sich HSCs oft in einem schlafähnlichen Zustand befinden und beim Verlust von reiferen Blutzellen aktiviert werden. In diesem Schlafzustand sind die Stammzellen multiresistent. Diese Regulationsprozesse der normalen Blutbildung übertrug Trumpp auf Leukämiestammzellen.

Es stellte sich heraus, dass bei einer Leukämie das MYC-Onkogen darüber entscheidet, ob die Leukämiestammzellen gerade aktiv sind oder sich in einer Ruhephase befinden. Diese Erkenntnis ist für die klinische Praxis deshalb wichtig, weil sich nur aktivierte Krebsstammzellen durch eine Chemotherapie bekämpfen lassen. Trumpps Arbeit hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Stammzellforschung zu einem unverzichtbaren Teil der Krebsforschung geworden ist. Vera Zylka-Menhorn

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