ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2020Chronischer Husten: Hustenstillende Effekte des ATP-Rezeptor-Subtyp-Antagonisten Gefapixant belegt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronischer Husten: Hustenstillende Effekte des ATP-Rezeptor-Subtyp-Antagonisten Gefapixant belegt

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-606 / B-520

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Akm/stock.adobe.com
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Husten wird als chronisch definiert, wenn er länger als 8 Wochen anhält. Chronischer Husten ist meist unproduktiv oder durch Hervorbringen von wenig schleimigem Sputum gekennzeichnet. Größere Sputummengen oder -purulenz weisen auf strukturelle bronchiale Veränderungen wie Bronchiektasen hin. 4–12 % der Bevölkerung haben Zeichen chronischen Hustens, Frauen häufiger als Männer, Menschen in der 5. und 6. Lebensdekade häufiger als jüngere.

Wenn mögliche Ursachen chronischen Hustens abgeklärt sind wie Asthma bronchiale, Bronchitis, COPD, gastroösophagealer Reflux oder medikamentöse Auslöser wie ACE-Hemmer, könnte eine Hypersensibilität der Atemwege vorliegen. Ein Teil der Patienten mit idiopathischem, chronischem Husten spricht auf Neuromodulatoren wie Gabapentin oder Amitryptilin an. Pilotstudien hatten ergeben, dass die Inhibition des ATP-Rezeptor-Subtyps P2X die Symptomatik chronischen Hustens günstig beeinflussen kann. ATP ist ein Trigger.

In einer Phase-2b-Studie ist der P2X3-Rezeptor-Antagonist Gefapixant bei ambulant versorgten Patienten untersucht worden, die ≥ 1 Jahr unter chronischem Husten litten und keine Auffälligkeiten im Thoraxröntgen hatten (1). Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 60,2 Jahre alt (18–80 Jahre) und 76 % waren Frauen. Raucher wurden ausgeschlossen und Exraucher dann, wenn ein Rauchstopp erst 6 Monate oder weniger zurücklag.

Insgesamt 253 Patienten wurden randomisiert in eine Placebogruppe (n = 63), eine Gruppe mit 7,5 mg Gefapixant oral 2 Mal täglich und jeweils 63 Teilnehmer in die Gruppen 20 und 50 mg 2 Mal täglich.

Die Hustenhäufigkeit pro Stunde wurde mit einem 24-Stunden-Husten-Recorder ermittelt, und zwar zu Studienbeginn und für die Dauer der Therapie von 12 Wochen.

Primärer Endpunkt war die Hustenfrequenz nach diesen 3 Monaten. In der Placebogruppe lag sie bei durchschnittlich 18,2 pro Stunde, in der 7,5-mg-Gruppe bei 14,5, in der 20-mg-Gruppe bei 12,0 und unter 50 mg Gefapixant bei 11,3 pro Stunde.

Die relative Reduktion der Hustenfrequenz in den Verumgruppen gegenüber Placebo betrug –22,0 % (7,5 mg), 22,2 % (20 mg) und 37,0 % bei 50 mg Gefapixant 2 Mal täglich. Nur bei dieser höchsten Dosierung war der Unterschied mit p = 0,0027 statistisch signifikant.

Geschmacksstörungen waren die häufigsten klinisch relevanten Nebenwirkungen der Studientherapie: Sie traten bei 5 % unter Placebo auf und mit zunehmender Dosierung von Gefapixan bei 10 %, 33 % und 48 % in den Gefapixant-Gruppen.

Fazit: Gefapixant hat antitussive Effekte bei chronischem, idiopathischem Husten. Die randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-2b-Studie war methodisch gut gemacht, heißt es im begleitenden Editorial, Placebo-effekte aber seien vergleichsweise hoch gewesen. Die potenzielle klinische Bedeutung der Substanz sollte weiteruntersucht werden, auch unter dem Aspekt von Geschmacksstörungen als wichtigster Nebenwirkung.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Smith JA, Kitt MM, Morice AH, et al.: Gefapixant, a P2X3 receptor antagonist, for the treatment of refractory or unexplained chronic cough: a randomised, double-blind, controlled, parallel-group, phase 2b trial. Lancet Respir Med 2020; https://doi.org/10.1016/S2213– 2600(19)30471–0.
  2. Irwin RS, French CL, Madison JM: Managing unexplained chronic cough in adults: what are the unmet needs? Lancet Respir Med 2020; https://doi.org/10.1016/S2213–2600 (20)30083–7.

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