MEDIZIN: Diskussion

Vorsicht geboten

Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 220; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0220a

Conradi, Philipp

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Dathe und Schäfer stufen die Medikamente Clotrimazol und Ibuprofen (bis zur 28. Schwangerschaftswoche) bei Anwendung in der Schwangerschaft als sicher ein (1). Dies ist zu hinterfragen.

Clotrimazol ist ein potenter neuroendokriner Disruptor, der die Synthese von weiblichen Sexualhormonen beeinflussen kann. Es gibt eine Reihe von umwelttoxikologischen Untersuchungen an Amphibien, die sexuelle Reifungs- und Differenzierungsstörungen durch Clotrimazol und ähnliche Antimykotika nachweisen (2, 3). Clotrimazol wird bei vaginaler Anwendung zu 3–10 % absorbiert. Die resultierenden Serumspiegel liegen weit oberhalb der Clotrimazol-Konzentration bei den erwähnten umwelttoxikologischen Untersuchungen.

Völlig unklar ist darüber hinaus, ob sich Clotrimazol bei vaginaler Anwendung via Zervikalkanal im Fruchtwasser anreichert. Theoretisch entstehen bei einer Absorption von 0,001 % der vaginalen Einzeldosis von 500 mg relevante Schadstoffanreicherungen im Fruchtwasser. Wurde dies jemals untersucht?

Ähnliche Vorbehalte bestehen gegenüber Ibuprofen. Eine Studie (4) aus dem Jahr 2018 legt nahe, dass diese Substanz die Keimzellen weiblicher Föten in frühen Entwicklungsstadien drastisch mindern kann.

Die Zunahme von Genderdysphorien und Fertilitätsstörungen ist als Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Es gibt mit Sicherheit viele unterschiedliche Ursachen für diese Beobachtungen, jedoch sollten Medikamente, die in diese Richtung wirken, auf keinen Fall während einer Schwangerschaft angewendet werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0220a

Dr. med. Philipp Conradi

Allgemeinmedizin

Dresden

philippconradi@yahoo.de

1.
Dathe K, Schaefer C: The use of medication in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 783–90 VOLLTEXT
2.
Kragie L, Turner SD, Patten CJ, et al.: Assessing pregnancy risks of azole antifungals using a high throughput aromatase inhibition assay. Endocrine Res 2002; 28: 129–40 CrossRef MEDLINE
3.
Hinfray N, Porcher JM, Brion F: Inhibition of rainbow trout (Onchorhynchus mykiss) P450 aromatase activities in brain and ovarian microsmes by various environmental substances. Comp Biochem Physiol C Toxicol Pharmacol 2006; 144: 252–62 CrossRef MEDLINE
4.
Leverrier-Penna S, Mitchel RT, Becker E, et al.: Ibuprofen is deleterious for the development of first trimester human fetal ovary ex vivo. Hum Reprod 2018; 33: 482–93 CrossRef MEDLINE
1.Dathe K, Schaefer C: The use of medication in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 783–90 VOLLTEXT
2.Kragie L, Turner SD, Patten CJ, et al.: Assessing pregnancy risks of azole antifungals using a high throughput aromatase inhibition assay. Endocrine Res 2002; 28: 129–40 CrossRef MEDLINE
3.Hinfray N, Porcher JM, Brion F: Inhibition of rainbow trout (Onchorhynchus mykiss) P450 aromatase activities in brain and ovarian microsmes by various environmental substances. Comp Biochem Physiol C Toxicol Pharmacol 2006; 144: 252–62 CrossRef MEDLINE
4.Leverrier-Penna S, Mitchel RT, Becker E, et al.: Ibuprofen is deleterious for the development of first trimester human fetal ovary ex vivo. Hum Reprod 2018; 33: 482–93 CrossRef MEDLINE

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