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Wir möchten noch einmal betonen, dass jede Arzneimittelbehandlung in der Schwangerschaft eine Risiko-Nutzen-Abwägung erfordert unter Berücksichtigung therapeutischer Alternativen und der Konsequenzen einer Nicht-Behandlung. Grundsätzlich ist es natürlich vorzuziehen, Erkrankungen bei Schwangeren nichtmedikamentös zu behandeln. Auch 60 Jahre nach Contergan kann nicht genug darauf hingewiesen werden, dass jede Medikation auf das unbedingt Notwendige beschränkt werden sollte.

Es ist generell eine Herausforderung, die Bedeutung von Untersuchungsergebnissen aus Zellkulturen oder Tiermodellen für den Menschen zu bewerten. Bisher gibt es keine substanziellen Hinweise darauf, dass die von Dr. Conradi angeführten Amphibienmodelle zu Azol-Verbindungen auf den Einsatz von Clotrimazol beim Menschen übertragbar sind. Clotrimazol gehört neben Nystatin zu den lokalen Antimykotika mit dem höchsten Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft. Eine unzureichende oder unterlassene Behandlung einer vaginalen Pilzinfektion könnte hingegen indirekt auch das Kind gefährden. Bei Ibuprofen gibt es bisher keine klinischen Korrelate zu den experimentell gewonnenen Ergebnissen zur Keimzelltoxizität. Hinsichtlich einer antidepressiven Therapie sollten zumindest bei leichter Symptomatik primär nichtmedikamentöse (psychotherapeutische) Ansätze erwogen werden. Ist aber eine Medikation erforderlich oder bereits erfolgt, legen die umfangreichen klinischen Erfahrungen insbesondere zu Sertralin und Citalopram keinen Verdacht auf ein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko oder gravierende Störungen der Langzeitentwicklung nahe. Andererseits ist zu bedenken, dass eine unzureichend behandelte ernsthafte Symptomatik bei der Mutter zu Verhaltensabweichungen beim Kind führen kann.

Prof. Kiesewetter ist beizupflichten, dass bei Heparin-Unverträglichkeiten andere Antikoagulanzien indiziert sein können, unter anderem auch Fondaparinux. Bei der intravenösen Verabreichung von Eisenpräparaten können schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Sie stellt eine Ausnahme dar bei ausgeprägter Anämie. Über eine Vitamin-D-Supplementierung muss im Einzelfall entschieden werden. Metamizol ist ein Reserve-Analgetikum aufgrund seines Nebenwirkungsprofils und des geringeren Erfahrungsumfangs bei Schwangeren. In der ersten Hälfte der Schwangerschaft sind Ibuprofen und Paracetamol als gleichwertig zu betrachten. Embryotoxische beziehungsweise teratogene Effekte durch Ibuprofen wurden gelegentlich diskutiert. Eine zusammenfassende Bewertung aller vorliegenden Daten spricht gegen ein solches Risiko.

Beim Einsatz von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bis zum Ende der Schwangerschaft erscheint das Risiko für einen persistierenden pulmonalen Hypertonus beim Neugeborenen leicht erhöht zu sein. Amitriptylin birgt nach heutigem Wissen kein embryotoxisches Risiko beim Menschen. Die antidepressive Wirksamkeit von Tryptophan-haltigen Produkten ist nicht belegt. Vor einem unkritischen Gebrauch ist wegen möglicher Wechselwirkungen zu warnen.

Der Hinweis ist richtig, dass auch die am besten untersuchten Diuretika Hydrochlorothiazid und Furosemid kritisch eingesetzt werden sollen, um eine fetoplazentare Minderperfusion zu vermeiden. Diuretika gehören nicht zu den Antihypertensiva der Wahl in der Schwangerschaft. Teratogene Effekte haben sich beim Menschen hingegen nicht bestätigen lassen.

Nachzutragen bleibt, dass bei den für Schwangere empfohlenen Impfungen (Tabelle 3 des Beitrags [1]) die Influenzaimpfung dazu gehört.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0221

PD Dr. med. Katarina Dathe

Prof. Dr. med. Christof Schaefer

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie

Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie

Campus Virchow Klinikum

christof.schaefer@charite.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Dathe K, Schaefer C: The use of medication in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 783–90 VOLLTEXT
1.Dathe K, Schaefer C: The use of medication in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 783–90 VOLLTEXT

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