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Vielen Dank für diese Übersichtsarbeit zur Therapiesicherheit bei oralen Antitumortherapeutika (1). Während man bei parenteralen Anwendungen sicher sein kann, dass alles infundiert wird, gibt es bei oral verabreichten viele Unsicherheiten.

Zu begrüßen ist die Forderung nach regelmäßigen Medikationsanalysen, Interaktionschecks, professioneller Begleitung und neuen Betreuungsstandards und Leitlinien. Wenn solche Qualitätsanforderungen im Deutschen Ärzteblatt publiziert werden, dann können sie schnell einen normativen Charakter bekommen. Ich hätte mir deshalb gewünscht, dass die Autoren zusätzlich angeben, wie sie all das in ihrer täglichen Praxis bereits umgesetzt haben. Welchen Interaktions-Checker nehmen sie? Ist der in der Klinik-/Praxis-Software hinterlegt oder muss er erst aufwendig aufgerufen werden? Wird der bundeseinheitliche Medikationsplan automatisiert in das Krankenhausinformationssystem eingelesen und genauso automatisiert auf Interaktionen geprüft? Wie haben sie den zusätzlichen Personal- und Kostenaufwand für die professionelle Begleitung gelöst? Und was empfehlen die Autoren, wenn ein onkologischer Versorger all dies nicht anbieten kann, soll man den dann aus der Versorgung nehmen?

Häufig liegen Defizite aber nicht nur beim Anbieter. Wie soll man mit Patienten umgehen, die mit komplexen Plänen zur oralen Medikation überfordert sind (engl. „vulnerable adults“)? Wie soll man Adhärenz messen und ab welchem Adhärenzdefizit die Gabe oraler Onkologika verweigern?

Aufwändige bürokratische Systeme – wie hier die neuen Anforderungen an die Verordnung oraler Antitumortherapeutika – die eigentlich gut gemeint sind, können schnell zur Verordnungsbarriere werden. Im Angloamerikanischen wurde dafür der Ausdruck „structural iatrogenesis“ geprägt (2) und bezeichnet die Schädigung von Patienten durch Strukturen des Gesundheitsystems. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autoren auch die Probleme, die mit ihren Forderungen einhergehen, diskutiert hätten und – noch besser – angegeben hätten, wie sie diese bereits gelöst haben.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0222a

Prof. Dr. med. Axel Matzdorff

Asklepios Klinikum Uckermark GmbH

Klinik für Innere Medizin II

Gastroenterologie, Nephrologie,
Hämato-Onkologie und Palliativmedizin

Schwedt/Oder

a.matzdorff@asklepios.com

1.
Schlichtig K, Dürr P, Dörje F, Fromm MF: New oral anti-cancer drugs and medication safety. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 775–82 VOLLTEXT
2.
Stonington S, Coffa D: Structural Iatrogenesis—a 43-year-old man with „opioid misuse“. N Engl J Med 2019; 380: 701–4 CrossRef
1.Schlichtig K, Dürr P, Dörje F, Fromm MF: New oral anti-cancer drugs and medication safety. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 775–82 VOLLTEXT
2.Stonington S, Coffa D: Structural Iatrogenesis—a 43-year-old man with „opioid misuse“. N Engl J Med 2019; 380: 701–4 CrossRef

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