ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Kognitive Störungen nach traumatischer Distorsion der Halswirbelsäule: Schleudertrauma, quo vadis?

MEDIZIN: Diskussion

Kognitive Störungen nach traumatischer Distorsion der Halswirbelsäule: Schleudertrauma, quo vadis?

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-463 / B-391 / C-365

Otte, Andreas

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Klaus Poeck FRCP in Heft 41/1999
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LNSLNS Das so genannte HWS-Schleudertrauma stellt eine unerfreulich delikate und von verschiedener Seite gerne heruntergespielte, jedoch für die betroffenen Patienten sehr unangenehme und oft chronifizierende Erkrankung dar. Als Nicht-Neurologe erlaube ich mir nicht, auf die neurologischen Ausführungen des Artikels von Herrn Professor Poeck einzugehen, als Nuklearmediziner und insbesondere als zitierter Autor fühle ich mich jedoch verpflichtet, auf einige Punkte zu dem Abschnitt "Bildgebende Verfahren, Durchblutungs- und Stoffwechseluntersuchungen" hinzuweisen:
Beim "mild traumatic brain injury" handelt es sich nicht um eine "minimale (. . . also fragliche) traumatische Hirnschädigung". Diese Übersetzung ist suggestiv. Die nuklearmedizinischen Methoden PET oder SPECT können nur funktionelle Veränderungen des Gehirns anzeigen. Diese können lange vor einer morphologischen Schädigung (wie sie beispielsweise in Tierexperimenten nachgewiesen wurde) auftreten. Wieso sollen die von den Patienten beklagten Gedächtnis- und Aufmerksamkeitseinbußen sowie die Sehstörungen nicht zu den in der SPECT oder PET festgestellten parietookzipitalen Veränderungen passen? Die vom Autor zitierte Studie aus Litauen wie auch die Züricher Arbeit von Frau Bicik und Mitarbeitern mit geringen Fallzahlen und vornehmlich Melanompatienten als Kontrollkollektiv wurden von der Fachwelt heftig kritisiert. Auf die ebenfalls veröffentlichten Kommentare (und nicht nur das kürzlich verfasste Editorial in Neurology) wurde leider nicht eingegangen (1). Beim näheren Blick auf das über das Internet verfügbare Literaturverzeichnis des Beitrags wurde, ohne dies suggestiv zu meinen, der von uns publizierte Lancet-Letter in derselben Weise formal falsch zitiert, wie er schon im Artikel von Bicik et al. falsch zitiert steht.
Viele der Patienten mit chronifizierenden Verläufen nach HWS-Distorsionstrauma mussten wegen ihrer Beschwerden einen unter Umständen geliebten Beruf, ihr soziales Leben und Umfeld und teilweise sogar enge Beziehungen aufgeben. Immer häufiger werden ihre Probleme als bloße Behauptung abgetan oder - nur wenig besser - auf die psychische Ebene geschoben.
Schleudertrauma, quo vadis?


Literatur
1. Otte, A: PET with 18fluorodeoxyglucose and hexamethylpropylene amine oxime SPECT in late whiplash syndrome. Neurology 1999; 52: 1107-1108.


Dr. med. Andreas Otte
Obere Lachen 10
79110 Freiburg

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