ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2020Rehabilitation: Ganzheitliches Konzept
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Der Artikel fasst treffgenau die aktuelle Diskussion zur Nutzung von Patient Reported Outcomes und deren Messung (PROMs) in der Rehabilitation zusammen und geht dennoch in seiner Diskussion aus drei Gründen nicht weit genug.

Erstens ist es in einem Zeitalter, in dem PROMs technologisch unproblematisch erfassbar sind, Patienten nicht vermittelbar, dass diese Daten nicht erfasst und genutzt werden, um Therapieprozesse zielgerichtet auf eine Optimierung der Ergebnisqualität zu modellieren. Die Implementierung von Erkenntnissen aus den PROMs in die Behandlung basiert auf der Beteiligung der entscheidenden Personen – der Betroffenen und deren Angehörigen – und der Nutzung von Daten aus der Nachsorge bzw. Katamnese. Im Sinne einer „Qualitätsoptimierung“ müssen für den Einsatz der PROMs drei Bedingungen erfüllt sein: eine strategische Entscheidung der medizinischen Institution, definierte Algorithmen der Erfassung und Analyse der gewonnenen Daten sowie die Validierung an objektiven Parametern. Nach unseren Erfahrungen lässt sich dies in 2 bis 3 Jahren umsetzen. Daher ist es inhärente Aufgabe eines verantwortungsvollen Klinikbetreibers, PROMs zu erfassen und Prozesse auch und unter anderem an ihnen auszurichten.

Zweitens ist es dem Beitragszahler in die Renten- und Kran­ken­ver­siche­rung nicht vermittelbar, dass mit Beitragsgeldern Rehakliniken finanziert werden, die suboptimale Ergebnisse erreichen. Daher muss die anhand von PROMs und ärztlich und therapeutisch erhobenen Outcome-Parametern gemessene Ergebnisqualität als Steuerungslogik der Patientenströme durch die Leistungsträger DRV und GKV genutzt werden.

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Drittens geht die Autorin in ihrem Artikel auf einer intrasektoralen Ebene nicht weit genug: Der mit seinem Value-based-care-Ansatz zitierte Michael Porter fordert eine Integration von Versorgungsstrukturen und eine Messung von Outcomes entlang der gesamten Versorgungskette. Es wäre daher essenziell, die Diskussion zur Erfassung der PROMs auch auf die Akut-Kliniken auszudehnen, denn gerade im Bereich der Anschlussheilbehandlung hängt der Rehabilitationserfolg entscheidend vom Zeitpunkt und der Qualität der Vorbehandlung ab. Mit einem solchen ganzheitlichen Qualitätskonzept können verschiedene Dimensionen von Qualität Berücksichtigung finden, die auch aus einem versorgungsorientierten Blickwinkel Synergien bieten.

Dr. med. Christoph Altmann,
Dr. med. Christian Dohle,
Dr. med. Johannes Schröter
,
01816 Bad Gottleuba

Literatur bei den Verfassern

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