ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Verteilung von Forschungsgeldern in den Vereinigten Staaten

MEDIZIN: Referiert

Verteilung von Forschungsgeldern in den Vereinigten Staaten

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-464 / B-372 / C-352

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LNSLNS Die National Institutes of Health sind in den Vereinigten Staaten dafür zuständig, die staatlichen Gelder für die medizinische Forschung zu verteilen. In der Fachöffentlichkeit ist darüber diskutiert worden, ob die Verteilung dieser Mittel irgendetwas mit dem vorhandenen Krankheitsspektrum zu tun hat. Dieser Frage hat sich eine Forschergruppe von der John Hopkins- und der Yale-Universität angenommen. Jeweils 29 Krankheiten wurden den dafür zugeteilten Forschungsmitteln, den Inzidenzen, den Prävalenzen, den Krankenhaustagen, der Mortalität, den "verlorenen Lebensjahren" und einem Konstrukt, das als "adjustierte verlorene Jahre" zusätzlich die Beeinträchtigung durch chronische Krankheit oder dadurch verursachte Behinderungen umfasst ("disabilityadjusted life-years"), gegenübergestellt. An der Spitze der zugeteilten Mittel stand AIDS. In den oben genannten Kategorien stand AIDS jedoch an 20., 17., 20., 10., 4. und 15. Stelle. Am Zweitwenigsten wurde für die Mittelohrentzündung ausgegeben, obwohl sie bei der Inzidenz an der Spitze steht. Allerdings rangiert sie bei der Kategorie "adjustierte verlorene Jahre" an vorletzter Stelle. Die Analyse der Zahlen ergab, dass eben diese Kategorie mit den ausgegebenen Geldern noch am ehesten korreliert - aber auch hier sind die Differenzen groß. Die Autoren warnen daher davor, irgendeine der Kategorien als Rechtfertigung für Forderungen nach Mittelzuweisungen zu werten. Zu viele Einflüsse, die mit den Kategorien gar nichts zu tun haben, spielen mit. So zum Beispiel die Tatsache, dass die Lungenentzündung trotz hoher Inzidenz nur wenig staatliche Forschungsmittel anzieht - hier forscht vielmehr die Industrie mit der Suche nach neuen Antibiotika, oder die Frage, wo die Gelder auftauchen, die für ein Forschungsprojekt für Herzkrankheiten bei Diabetikern bewilligt wurden. Das extreme Übergewicht der Gelder für die AIDS-Forschung (28,7 Prozent der gesamten Summe!) mag sich daraus erklären, dass hier nicht nur die eine Krankheit (Inzidenz an 20. Stelle!) beforscht wird, sondern praktisch auch ein großer Teil der nicht AIDS-verbundenen Virologie behandelt wird. bt


Gross CP, Anderson GF, Powe NR: The relation between funding by the National Institutes of Health and the burden of disease. NEJM 1999; 340: 1881-1887.
Dr. Gary P. Gross, Primary Care Center, Yale University School of Medicine, 333 Cedar Street, P.O. Box 208025, New Haven, CT 06520-8025, USA.

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