ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2020Revaskularisation bei Patienten mit KHK und Diabetes: Messen der fraktionellen Flussreserve hilfreich für Entscheidung über die Therapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Revaskularisation bei Patienten mit KHK und Diabetes: Messen der fraktionellen Flussreserve hilfreich für Entscheidung über die Therapie

Dtsch Arztebl 2020; 117(13): A-668 / B-569

Vetter, Christine

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Foto: picture alliance/Phanie
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Circa jeder 3. Patient, bei dem eine koronare Revaskularisation ansteht, hat außer einer KHK auch einen Diabetes mellitus. Der Diabetes hat Bedeutung für die Prognose und beeinflusst die Wahl der Revaskularisationsmaßnahme. Ob es für die Therapieentscheidung sinnvoll ist, die fraktionelle Flussreserve (FFR) zu bestimmen, hat die PRIME-FFR-Studie untersucht. Es ist eine Querschnittsstudie bei 1 983 KHK-Patienten (Durchschnittsalter: 65 Jahre; männlich: 77 %).

Die Patienten wurden aus anderen Studien rekrutiert, bei denen die Therapiestrategie zunächst vor Messung der FFR auf Basis der Angiografie geplant worden war. Nach FFR-Bestimmung erfolgte eine Reklassifizierung und die endgültige Strategie wurde festgelegt.

701 Patienten (35,3 %) hatten Diabetes. Die Diabetespatienten waren durchschnittlich älter als die Nichtdiabetiker (65,5 vs. 64,6 Jahre; p = 0,05) und hatten häufiger eine Mehrgefäßerkrankung (49,5 vs. 39,4 %; p < 0,001). Bei der Mehrzahl der Patienten – das waren 93,2 % mit, und 93,5 % ohne Diabetes – wurde die endgültige Therapiemaßnahme abhängig von der FFR festgelegt. Bei den diabetischen Patienten erfolgte dabei numerisch häufiger eine Änderung der ursprünglich geplanten Behandlungsstrategie (41,2 vs. 37,5 %, p = 0,13). Signifikant häufiger war jedoch eine Änderung von einer konservativen Behandlung auf eine Revaskularisierung (41,5 vs. 31,5 %; p = 0,001). Unabhängig vom Ergebnis der FFR und dem Einfluss auf die Therapieentscheidung hatten Diabetespatienten eine höhere Rate an Major Adverse Cardiovascular Events (MACE), eine höhere Infarktrate und eine höhere Gesamtmortalität (5,3 vs. 3,6 %).

Kein statistischer Unterschied ergab sich bei der Ein-Jahres-Rate von MACE bei Patienten mit Reklassifizierung vs. ohne Reklassifizierung (9,7 % vs. 12,0 %; p = 0,37). Unabhängig vom Diabetesstatus war die MACE-Rate mit 6,6 % jedoch am höchsten bei Patienten, bei denen das FFR-Ergebnis bei der Therapieentscheidung ignoriert wurde.

Fazit: „Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer Messung der fraktionellen Flussreserve auch bei diabetischen Patienten“, kommentiert Prof. Dr. med. Christian Hamm, Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie und Angiologie) des Universitätsklinikums Gießen. Die Messung der arteriellen Flussreserve sei vor allem bei Patienten mit Diabetes gerechtfertigt und führe bei diesen häufig zu einer Änderung der ursprünglich geplanten Therapie. Auch dann aber sei die Risikosituation bei Patienten mit Diabetes ungünstiger als bei Patienten ohne Diabetes. Christine Vetter

Van Belle E, Cosenza A, Baptista SB, et al.: Usefulness of routine fractional flow reserve for clinical management of coronary artery disease in patients with diabetes. JAMA Cardiology 2020; doi: 101001/jamacardio.2019.5097.

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