ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2020Kontrazeption nach bariatrischer Operation
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Bezüglich der Adipositas sollte unbedingt auf die Problematik der Kontrazeption nach einer bariatrischen Operation eingegangen werden. Die in Deutschland am häufigsten eingesetzten Eingriffe sind Schlauchmagen und proximaler Magenbypass. Beim letzten handelt es sich um ein malabsorptives Verfahren, mit Auswirkungen auf die Resorption der oralen Kontrazeptiva. Eine geplante Konzeption wird erst 12–18 Monate nach einer solchen Operation empfohlen, um Risiken für das Kind zu vermeiden (1).

Über die Pharmakokinetik von oralen Kontrazeptiva postoperativ existieren in der Literatur spärliche Daten. Begrenzte Erfahrungen postulieren ein Versagen von niedrig dosierten gestagenhaltigen Minipillen. Etonogestrel-haltige Implantate scheinen nach einer proximalen Bypass-Operation effektiv und sicher zu sein. Ein Consensus Statement empfiehlt eine präoperative Beratung und die postoperative Vermeidung einer oralen Kontrazeption. Empfohlen werden kupferhaltige Intrauterinpessare sowie Gestagenimplantate (1).

Beim Diabetes mellitus ist die niedrig dosierte Pille (weniger als 35 ug Ethinylestradiol) zu bevorzugen, eine klare Aussage vermisse ich in der vorliegenden Abhandlung von Römer (2). Erhöht ist vor allem beim Diabetes mellitus das Risiko für makrovaskuläre Schäden beziehungsweise für arterielle thromboembolische Ereignisse. Dazu möchte ich eine groß angelegte Studie bei circa 150 000 Diabetikerinnen zitieren, die über ein höheres Risiko für arterielle als für venöse Thrombosen berichtet. Dabei war das Risiko für das transdermale kontrazeptive Pflaster und für den Vaginalring erhöht. Die Anwendung von oralen Gestagenmonopräparaten und von Gestagendepotinjektionen ist mit einem um das 4-fach erhöhte Risiko für arterielle Thrombosen verbunden (3).

Die Übersicht (2) von Römer erwähnt am Rande das Thema Hyperlipidämie. Ein systematisches Review der Welt­gesund­heits­organi­sation in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention weist daraufhin, dass Frauen mit einer bekannten Hypercholesterinämie unter oraler Kontrazeption ein um den Faktor 25 erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt aufweisen, während das Risiko für eine venöse Thromboembolie oder für einen zerebrovaskulären Insult minimal erhöht ist (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0251b

Dr. med. Athanasios Alexopoulos

Kurpark-Klinik, Bad Nauheim

a.alexopoulos@kurpark-klinik.com

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht..

1.
Shawe l, Ceulemans D, Akhter Z, et al.: Pregnancy after bariatric surgery: consensus recommendations for periconception, antenatal and postnatal care. Obes Rev 2019; 20: 1507–22 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Römer T: Medical eligibility for contraception in women at increased risk. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 764–74 VOLLTEXT
3.
O`Brien SH, Koch T, Veseli SK, Schwarz EB: Hormonal contraception and risk of thromboembolism in women with diabetes. Diabetes Care 2017; 40: 233–8 CrossRef MEDLINE
4.
Dragoman M, Curtis KM, Gaffield ME: Combined hormonal contraceptive use among women with known dyslipidemias: a systematic review of critical safety outcomes. Contraception 2016; 94: 280–7 CrossRef MEDLINE
1.Shawe l, Ceulemans D, Akhter Z, et al.: Pregnancy after bariatric surgery: consensus recommendations for periconception, antenatal and postnatal care. Obes Rev 2019; 20: 1507–22 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Römer T: Medical eligibility for contraception in women at increased risk. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 764–74 VOLLTEXT
3.O`Brien SH, Koch T, Veseli SK, Schwarz EB: Hormonal contraception and risk of thromboembolism in women with diabetes. Diabetes Care 2017; 40: 233–8 CrossRef MEDLINE
4.Dragoman M, Curtis KM, Gaffield ME: Combined hormonal contraceptive use among women with known dyslipidemias: a systematic review of critical safety outcomes. Contraception 2016; 94: 280–7 CrossRef MEDLINE

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