ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2020Green Hospitals: Ohne Verstand
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Es ist außerordentlich zu begrüßen, dass auch Krankenhäuser, die ja Gesundheit fördern wollen, umweltfreundlich denken sollen. Es ist (insbesondere im Zeitalter von Corona) dringend notwendig, auch Maßnahmen, die für Hygiene und Gesundheit stehen, kritisch zu überprüfen und unter umweltökologischen Aspekten zu betrachten.

Dabei sind der Energieverbrauch und Wasserhaushalt nicht alles. Vor allem, und da wird in dem Artikel zu wenig darauf eingegangen, muss es auch darum gehen, die riesigen Mengen an Verbrauchsmaterialien zu reduzieren. Wenn man sieht, was eine Intensivstation heute an Müll produziert und wie wir auch in den Praxen aus vorgeblich hygienischen Gründen immer mehr Einmalmaterial verwenden müssen, wie kopflos eine Verpackung nach der nächsten aufgerissen und anschließend entsorgt wird, wie teuerste und hochwertigste Verbundkunststoffe (etwa Dialysatoren) nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden müssen, kann man am Verstand zweifeln.

Eine interessante Kampagne wurde jetzt am Great-Ormond-Street-Krankenhaus (GOSH), Englands renommiertester Kinderklinik, ins Leben gerufen: Weg mit den Handschuhen! (https://www.gosh.nhs.uk/news/gloves-are-off). In Großbritannien werden jährlich im gesamten National Health Service 1,4 Milliarden nichtsterile Handschuhe verwendet. Dabei ist der Einsatz in vielen Fällen unnötig. Saubere Hände sind besser für Patienten und Mitarbeiter. Allenfalls wenn man mit Körperflüssigkeiten oder nicht intakter Haut oder Schleimhaut zu tun hat, kommen Handschuhe infrage. Pro Woche wurden aber allein im GOSH rund 200 000 Paar Handschuhe verbraucht. Hautprobleme und Kontaktdermatitiden sind sehr häufig. Aber nicht nur Handschuhe, auch andere Verbrauchsmittel wurden kritisch hinterfragt. Bereits nach einem Jahr konnten etwa 21 Tonnen Kunststoff eingespart werden. Die Hände der Mitarbeiter wurden gesünder, wie viele Mitarbeiter durch Fotos vorher/nachher zeigen konnten. Insgesamt eine außerordentlich erfolgreiche und nachahmenswerte Aktion. Der zwischenmenschliche Aspekt ist auch nicht zu vernachlässigen: wer möchte schon gerne mit Plastikhandschuhen angefasst werden? Wir sollen doch behandeln, also Hand anlegen – aber bitte ohne Handschuhe.

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Dr. med. Stephan Heinrich Nolte, 35039 Marburg/Lahn

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