ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Forum „Reisen und Gesundheit“ in Berlin: Reisemedizinische Beratungen

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Forum „Reisen und Gesundheit“ in Berlin: Reisemedizinische Beratungen

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-468 / B-376 / C-354

Thor, Susanne

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LNSLNS Rund 26 Millionen deutsche Reisende fahren jährlich in gesundheitliche Risikogebiete. Nach Untersuchungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) litt 1997 die Hälfte der Reisenden unter "irgendeinem Gesundheitsproblem"; jeder vierte fühlte sich krank, und immerhin jeder zwölfte konsultierte im Urlaub einen Arzt. Häufig werden Last-Minute-Reisen angetreten ohne ausreichende Vorbereitung und Kenntnis eventueller Gesundheitsrisiken. Tropenmediziner weisen auf die Notwendigkeit hin, Reisefans qualifizierte reisemedizinische Beratungen und Tipps zur Gesundheitsvorsorge anzubieten.
Wesentliche Informationsquelle ist - neben Tropeninstituten, Gesundheitsämtern und Gelbfieberimpfstellen - immer noch der Hausarzt; dieser muss nicht nur das Reiseziel kennen und ein paar Impfungen empfehlen. Vielmehr sind neben den Lebensbedingungen im Reiseland unter anderem auch Jahreszeit, Reisestandards, Gesundheitszustand und Vorerkrankungen des Ratsuchenden zu bedenken.
Bessere Beratung
Mit dem Ziel, für eine verbesserte reisemedizinische Beratung und Aufklärung der Bevölkerung zu sorgen, starten das Centrum für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf-Berlin und das Institut für Tropenmedizin Berlin im Rahmen der Internationalen Touristik-Börse ITB am Freitag, den 10. März und Samstag, den 11. März 2000 das erste branchenübergreifende Forum "Reisen und Gesundheit - Gesundheitsvorsorge für Reisen nach Süd- und Osteuropa, Afrika, Asien und Lateinamerika - Empfehlungen für den Reisenden". Das Neuartige des Projekts: Die Referenten setzen sich sowohl aus renommierten Experten der Tropen- und Reisemedizin als auch führenden Vertretern der Reisebranche zusammen. Um Ängste und Vorbehalte gegenüber allzu ausführlicher Beratung zur Gesundheitsvorsorge und Krankheit auf Reisen abzubauen, sind sowohl Reisekaufleute als auch Ärzte, Apotheker und Angehörige der Pflegeberufe eingeladen. "Unbeschwertes Reisen und gesunde Rückkehr sollten zum Normalfall werden. Wenn Reisebüros und Apotheken über branchenspezifische Interessen hinweg in Zukunft gezielter auf reisemedizinische Beratungsstellen in Praxen und Institutionen hinweisen, wäre ein erster Schritt in Richtung einer besseren reisemedizinischen Aufklärung der Bevölkerung getan", so Prof. Dr. med. Erich Kröger, Leiter des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf.
Doch auch die reisemedizinische Beratung selbst kann verbessert werden. Wie die Stiftung Warentest (Berlin) in einer Untersuchung zeigte, ist qualifiziertes Fachwissen zu reisemedizinischen Fragen noch nicht ausreichend verbreitet. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass die Tollwut-Übertragungsgefahr etwa durch Hundebisse in asiatischen Ländern oftmals unterschätzt wird. Auch auf den eingeschränkten Schutz einer Typhus-Impfung wies nur jeder Zweite hin, der diese Impfung auch empfohlen hatte. Bei Reiseländern wie Kenia, Tansania und auch Dominikanische Republik muss auf das Malariarisiko mit Empfehlungen zur Malariaprophylaxe hingewiesen werden. Bei gleichzeitig geplantem Tauchkurs ist für den reisemedizinisch Beratenden zu bedenken, dass es derzeit zum Beispiel umstritten ist, ob unter Mefloquin getaucht werden kann. In der StiftungWarentest-Untersuchung erkundigte sich außerdem nur ein Drittel der Mefloquin empfehlenden Berater, ob eine Schwangerschaft geplant sei, und nur jeder zehnte fragte nach einer psychischen Erkrankung.
Touristik-Börse:
Fachinformationen Das "1. Forum für Reisen und Gesundheit" soll auch für Ärzte eine Plattform bieten für Themen wie Flugangst, Tauchermedizin oder "Jet lag - der richtige Umgang mit der Zeitverschiebung". Aber auch "Der Umgang mit chronischen Krankheiten auf Reisen" oder "Was können Reiseveranstalter zur Gesundheitsvorsorge beitragen" soll diskutiert werden. Neben Vorträgen zur Impfaufklärung und Empfehlungen zur Malariaprophylaxe sind weitere Schwerpunkte "Reisen mit Kindern in die Tropen" und "Medizinischer Rücktransport aus dem Ausland" ebenso wie "Einschleppung übertragbarer Krankheiten".
c Infos: Centrum für Reisemedizin, Beate Zilz, Spandauer Damm 130, Haus 10, Tropeninstitut, 14050 Berlin, Tel 0 30/30 69 91 90, Fax 0 30/ 3 06 99 19 16. Susanne Thor


Safari in die Savanne des Nationalparks Tsavo Ost in Kenia: Malariaprophylaxe vor allem in der Regenperiode erforderlich Fotos: Dr. Harald Clade; Bayer AG

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