ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Plaquestabilisierung: Statine sind nicht nur Lipidsenker

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Plaquestabilisierung: Statine sind nicht nur Lipidsenker

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-469 / B-377 / C-355

Roth, Richard

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LNSLNS Angiographisch kontrollierte Regressionsstudien, die in den letzten Jahren Hinweise gaben, dass die medikamentöse Cholesterinsenkung zwar zu einer deutlichen Reduktion der kardiovaskulären Komplikationen führt, den angiographisch nachweisbaren Stenosegrad aber nur wenig beeinflusst, hätten zu einem neuen Paradigma der koronaren Herzkrankheit und der arteriosklerotischen Plaques geführt, erklärte Prof. Dirk MüllerWieland (Köln) bei einem Symposium der Bayer Vital GmbH in Mannheim. Er wies darauf hin, dass die klinische Prognose nicht nur durch den Stenosegrad, sondern vielmehr durch die Strukturen und die Verletzbarkeit der Plaques bestimmt werde. Es mehren sich klinisch-experimentelle Hinweise, dass die Cholesterinsynthesehemmer (Statine) nicht nur das Plasma-Cholesterin senken, sondern auch direkte Effekte auf die Gefäßwand haben. So konnte Müller-Wieland tierexperimentell zeigen, dass nach einer 32wöchigen Therapie mit dem Cholesterinsynthesehemmer Cerivastatin (Lipobay®) die lipidreichen Kerne völlig zum Verschwinden gebracht wurden.
Genexpression
Eine effektive cholesterinsenkende Therapie sei somit mit einer Verbesserung der Endothelfunktion assoziiert. Die Behandlung mit Statinen könne außerdem zu einer Verminderung der Makrophagenaktivierung führen und die Proliferation der glatten Gefäßmuskelzellen beeinflussen. Es stelle sich auch die Frage, ob die plaquestabilisierenden Effekte der Statine im Zusammenhang stehen mit der Hemmung der Cholesterinsynthese. Vor zwei Jahren wurden die Cholesterin-sensitiven Transkriptionsfaktoren (sterol regulatory binding proteins - SREBP) identifiziert und charakterisiert. Dabei handelt es sich um intrazelluläre Proteine (Transkriptionsfaktoren), die die Expressionsrate von Genen stimulieren.
Die genregulatorische Aktivität der SREBP wird durch den intrazellulären Gehalt von Cholesterin reguliert. Das bedeutet: Wenn nach der Gabe von Statinen die intrazelluläre Cholesterinkonzentration absinkt, werden die SREBP aktiviert; die Genexpression des LDL-Rezeptors in der Leber steigt an. Durch die erhöhte Zahl der LDLRezeptoren an der Leberzelloberfläche wird dann vermehrt LDL-Cholesterin aus dem Plasma aufgenommen, und der Serum-Cholesterinspiegel sinkt ab. Die SREBP stimulieren aber nicht nur die Expression des LDL-Rezeptor-Gens, sie regulieren auch die Aktivität anderer Gene, die für den Cholesterin- und Triglyzerid-Stoffwechsel bedeutsam sind. Müller-Wieland stellte die Hypothese, dass die SREBP zusätzlich auch noch die Expression von Genen beeinflussen, die für die Bildung von Eiweißmolekülen verantwortlich sind und eine entscheidende Rolle bei den verschiedenen Mechanismen der Plaquestabilisierung spielen. So zeigte er, dass die SREBP auch die Wirkung von Insulin und Wachstumsfaktoren auf das LDL-Rezeptor-Gen vermitteln. Die klinische Bedeutung dieser Mechanismen ist noch nicht erforscht. Richard Roth
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