ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2000Asthma-Therapie mit Antileukotrienen: Geeignet für die pädiatrische Praxis

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Asthma-Therapie mit Antileukotrienen: Geeignet für die pädiatrische Praxis

Dtsch Arztebl 2000; 97(8): A-470 / B-378 / C-356

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Eine Schlüsselrolle in der Asthmapathologie spielen Mediatoren - neben Histamin, Prostaglandinen und Proteasen vor allem Leukotriene (LTB4, LTC4 und LTD4). Leukotriene sind die stärksten Bronchokonstriktoren, die bekannt sind. Sie förderten die Mukussekretion, provozierten ein Schleimhautödem und sorgten für die Proliferation der glatten Atemwegsmuskulatur, erläuterte Prof. Antje Schuster (Düsseldorf) bei einem Symposium von MSD anlässlich der 95. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in München.
Wird der Leukotrien-Effekt blockiert, so wird die Asthmapathologie an der Wurzel gepackt. Dazu können zwei Wege beschritten werden: Entweder es wird die Leukotriensynthese gehemmt, oder der Leukotrienrezeptor wird blockiert. Die Leukotriensynthese kann direkt durch einen 5-Lipogenase-Hemmstoff inhibiert werden. Zu diesen zählen Zileuton, für das die Zulassung in den USA beantragt ist. Eine indirekte Hemmung der Leukotriensynthese kann durch Inhibition des 5-Lipogenase-aktivierenden Proteins erreicht werden. Solche Substanzen werden zur Zeit im Tierversuch getestet.
Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung der Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten, wie Zafirlukast, Pranlukast und Montelukast. In klinischen Studien konnten diese Wirkstoffe sowohl die Allergen-induzierte Bronchokonstriktion als auch die allergische Spätreaktion wirksam unterdrücken. Auch die Entzündungsreaktion wird gehemmt: Die Migration der T-Lymphozyten in die Atemwege und die Aktivität von Makrophagen wird verhindert.
Montelukast (Singulair®) wurde in zahlreichen klinischen Studien an über 5 000 Asthma-Patienten eingesetzt. Gegenüber Placebo verbessert die Substanz den morgendlichen und abendlichen Peak-flow (FEV1) deutlich und minimiert die Asthmasymptome am Tage. Der Verbrauch an Beta-2-Agonisten sei spürbar gesunken, und das nächtliche Erwachen wegen Asthmabeschwerden sei seltener geworden, berichtete Prof. Jürgen Seidenberg (Oldenburg).
Das Präparat Singulair ist für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen. Als Dosis werden täglich 5 mg in Form einer Kautablette empfohlen. Erwachsene sollten täglich 10 mg einnehmen. An unerwünschten Nebeneffekten können Kopfschmerzen und/oder Bauchschmerzen auftreten. Im Langzeitgebrauch des Medikaments fällt die Inzidenz dieser Symptome aber auf das Placebo-Niveau. Speziell für Montelukast wurden im therapeutischen Dosisbereich keine relevanten Interaktionen mit anderen Arzneimitteln registriert, sodass Theophyllin, Prednison, Terfenadin, Digoxin, Warfarin und orale Kontrazeptiva bedenkenlos zusätzlich verabreicht werden können. Auch mit anderen Antiasthmatika ist die Substanz kombinierbar.
Systemisch antiallergisch Die tägliche Einmalgabe von Montelukast garantiere eine Compliance von mehr als 80 Prozent, im Vergleich zu höchstens 50 Prozent bei dreimal täglicher Inhalation, betonte Seidenberg. Infolge der systemischen Wirkung beeinflusse Montelukast auch die allergische Rhinokonjunktivitis und allergische Ekzeme positiv. Aufgrund ihrer Wirksamkeit in der Dauertherapie, der oral täglichen Einmalgabe sowie ihrer guten Verträglichkeit werden Antileukotriene in der Praxis einen hohen Stellenwert erreichen, so Prof. Stefan Zielen (Bonn). Sie können in leichteren Erkrankungsfällen die inhalierbaren Kortikoide ersetzen, in denen heute DNCG und Nedocromil eine Rolle spielen. Montekulast sei auch bei mittelschweren und schweren Asthmaerkrankungen indiziert, da man bei Langzeitanwendung nicht mit einer Toleranzentwicklung rechnen müsse. Zielen empfiehlt, Kindern jeden Abend ei-ne 5-mg-Kautablette zu geben. Die Einnahme ist mit oder ohne Nahrung möglich. In der Altersgruppe von sechs bis 14 Jahren ist keine Dosisanpassung erforderlich. Siegfried Hoc
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