ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2020Funktionelle Beschwerden: Neue Patientenleitlinie gibt Informationen

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Funktionelle Beschwerden: Neue Patientenleitlinie gibt Informationen

Hillienhof, Arne

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Funktionelle Beschwerden sind laut Leitlinie weder eindeutig körperlicher noch psychischer Natur. Foto: SHOTPRIME STUDIO/stock.adobe.com
Funktionelle Beschwerden sind laut Leitlinie weder eindeutig körperlicher noch psychischer Natur. Foto: SHOTPRIME STUDIO/stock.adobe.com

Eine neue sogenannte Patientenleitlinie „Funktionelle Körperbeschwerden verstehen und bewältigen“ soll Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Behandelnden helfen, funktionelle Körperbeschwerden besser zu verstehen, über sie ins Gespräch zu kommen und einen guten Umgang damit zu finden.

Sie basiert auf einer 2018 neu überarbeiteten Expertenleitlinie mit diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Sie wurde kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM), dem Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen und der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe vorgestellt.

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Laut Leitlinie ist das Spektrum funktioneller Beschwerden groß – und sie sind häufig: Rund jeder dritte Arztbesuch gehe auf sie zurück. „Patienten und auch Ärzte wissen jedoch oft zu wenig über Mechanismen, Auslöser, Verstärker oder geeignete Behandlungsmöglichkeiten“, heißt es. Auch wenn manche Betroffene körperliche oder psychische Begleiterkrankungen hätten, ließen sich in aller Regel keine einzelnen oder eindeutigen Ursachen für die Beschwerden feststellen. Meist seien es mehrere psychische, soziale und körperliche Auslöser, die zusammenwirkten, bis der Körper ein Stoppsignal sende: „Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie, Verlusterfahrungen, Unfälle, Infektionen und vieles mehr“, so die Autorinnen und Autoren.

Funktionelle Beschwerden sind also, wie die Leitlinie betont, weder eindeutig körperlicher noch eindeutig psychischer Natur. Sie verdeutlichten vielmehr, wie eng Körper und Seele zusammenhingen. „Auch bei der Behandlung sollte daher der ganze Mensch mit seinen körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen gesehen und auf all diesen Ebenen gestärkt werden“, so die Leitlinienautoren. Sie empfehlen, dass Betroffene aktiv werden sollten: Information, Aktivität und Selbsthilfe lauten die Schlagworte, mit denen die Leitlinie Patienten dazu ermutigt, dem eigenen Körper wieder zu vertrauen, ihn besser zu verstehen und für ihn zu sorgen. Dazu gehöre, Warnsignale ernst zu nehmen und Überlastungen zu vermeiden. Auch, Schonhaltungen sollten aufgebrochen werden und es wird geraten, sich abzulenken, Probleme anzugehen und sich sinnvolle Ziele zu setzen.

Die Leitlinie existiert in zwei Versionen in patientenfreundlicher Sprache: Eine Langfassung erklärt die Mechanismen, die funktionelle Beschwerden auslösen, und zeigt auf, wie sie bewältigt werden können. Eine Kurzfassung fasst wesentliche Informationen zusammen und kann auch als Faltblatt ausgedruckt werden. hil

http://daebl.de/VA72

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