ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020Bedeutung palliativmedizinischer Beratung
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Zu Recht betonen Gummert et al. in ihrem sehr instruktiven Übersichtsartikel (1) die Notwendigkeit eines multidisziplinären Ansatzes bei der Evaluation einer Behandlung mit ventrikulären Unterstützungssystemen (VAD). Wir möchten noch auf die Bedeutung einer gezielten palliativmedizinischen Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen hinweisen (2, 3).

Auch wenn sich die Effizienz der kardialen Unterstützungssysteme und die Komplikationsrate in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, stirbt ein beträchtlicher Teil der Patienten innerhalb des ersten Jahres. Viele andere leiden fortgesetzt an erheblichen körperlichen Einschränkungen und benötigen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch die Angehörigen. Vor diesem Hintergrund ist eine umfassende Information über die Möglichkeiten einer palliativen Betreuung im Sinne einer Best Supportive Care im Vergleich zu den Chancen und Belastungen mechanischer kardialer Assistenzsysteme besonders wichtig (Beispiel: www.patientdecisionaid.org/lvad). Unabdingbarer Teil der Vorbereitung sollte eine vorausschauende Gesundheitsplanung („Advance Care Planning“) sein, bei der Patienten ihre Präferenzen im Fall einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes zum Ausdruck bringen und einen Gesundheitsbevollmächtigten benennen können (3).

Schließlich möchten wir an dieser Stelle auch auf die Situation hinweisen, die dann entsteht, wenn Patienten aufgrund einer als nicht mehr akzeptabel empfundenen Lebensqualität (zum Beispiel auch beim Auftreten einer inkurablen Zweiterkrankung) eine Beendigung der VAD-Therapie wünschen. Die hiermit verbundenen ethischen Probleme und die hohe Belastung aller Beteiligten, die sich aus dem in der Regel sehr rasch eintretenden Versterben der Patienten nach Abschalten der VAD ergeben, bedürfen besonderer Beachtung und eines gut abgestimmten und vorab besprochenen Vorgehens (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0268a

Dr. med. Christina Gerlach MSc

Prof. Dr. med. Martin Weber

Interdisziplinäre Abteilung für Palliativmedizin, III. Medizinische Klinik

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

christina.gerlach@unimedizin-mainz.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Gummert JF, Haverich A, Schmitto JD, Potapov E, Schramm R, Falk V: Permanent implantable cardiac support systems. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 843–8 VOLLTEXT
2.
Salomon S, Frankel H, Chuang E, Eti S, Selwyn P: Implementing routine palliative care consultation before LVAD implantation: a single center experience. J Pain Symptom Manage 2018; 55: 1350–5 CrossRef MEDLINE
3.
Warraich HJ, Maurer MS, Patel CB, Mentz RJ, Swetz KM: Top ten tips palliative care clinicians should know about caring for patients with left ventricular assist devices. J Palliat Med 2019; 22: 437–41 CrossRef MEDLINE
4.
Brush S, Budge D, Alharethi R, et al.: End-of-life decision making and implementation in recipients of a destination left ventricular assist device. J Heart Lung Transplant 2010; 29: 1337–41 CrossRef MEDLINE
1.Gummert JF, Haverich A, Schmitto JD, Potapov E, Schramm R, Falk V: Permanent implantable cardiac support systems. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 843–8 VOLLTEXT
2.Salomon S, Frankel H, Chuang E, Eti S, Selwyn P: Implementing routine palliative care consultation before LVAD implantation: a single center experience. J Pain Symptom Manage 2018; 55: 1350–5 CrossRef MEDLINE
3.Warraich HJ, Maurer MS, Patel CB, Mentz RJ, Swetz KM: Top ten tips palliative care clinicians should know about caring for patients with left ventricular assist devices. J Palliat Med 2019; 22: 437–41 CrossRef MEDLINE
4.Brush S, Budge D, Alharethi R, et al.: End-of-life decision making and implementation in recipients of a destination left ventricular assist device. J Heart Lung Transplant 2010; 29: 1337–41 CrossRef MEDLINE

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