ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020Randnotiz: Community Masken
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Anfang Januar gingen erste Videos viral: Junge asiatisch aussehende Menschen basteln sich einen Mundschutz – aus einem Blatt Küchenrolle mit Haushaltsgummi, aus einem BH-Körbchen oder einer Boxershorts, was eben gerade so verfügbar war. Damals hat man in Europa noch darüber geschmunzelt, ist doch bei uns das Maskentragen in der Öffentlichkeit sehr ungewohnt. Wie die Zeiten sich ändern: Inzwischen gibt es überall im Netz Nähanleitungen für den Mundschutz. Die Stadt Essen hat ihre acht Seiten Nähanleitung in mehrere Sprachen übersetzt, „Influencer“ posten sich und die Maske in den Sozialen Netzwerken. Landauf-, landab werden alle Nähmaschinen in Betrieb genommen, die sonst ganz andere Stoffe bearbeiten. In Berlin werden die Berufsschulen nach Maschinen abgesucht, viele Theaterwerkstätten rüsten um, auch in Gefängnissen wird nun produziert. Die Näherinnen (und selten Näher) sind dabei sehr unterschiedlich: von Skispringerin Katharina Althaus über die Mitarbeiterinnen des T-Shirt-Imperiums Trigema sowie die Mainzer Modedesignerin Anja Gockel oder die Mitarbeiterinnen von Autositzeherstellern. Viele der engagierten Menschen und Unternehmen müssen aber genau hinschauen, wie sie ihre Produkte bezeichnen: Denn offenbar haben Abmahnanwälte im „Homeoffice gerade zu viel Freizeit“, wie es Sina Trinkwalder, Inhaberin einer Näherei in Augsburg, bezeichnet. Nach eigenen Angaben hat sie für ihre „Schutzmasken“ entsprechende Schreiben bekommen. Denn es fehlt den gut meindenden Produzenten von „Community Masken“ die Zertifizierung als Medizinprodukt.

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