ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020Antiemetische Prophylaxe für Krebspatienten: Olanzapin als Teil einer Kombinationstherapie auch in niedrigerer Dosis wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antiemetische Prophylaxe für Krebspatienten: Olanzapin als Teil einer Kombinationstherapie auch in niedrigerer Dosis wirksam

Heinzl, Susanne

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Foto: pixdesign123/stock.adobe.com
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Zur Prävention der durch Chemotherapie induzierten Übelkeit und von Erbrechen (CINV) wird in verschiedenen Leitlinien die zusätzliche Gabe des Neuroleptikums Olanzapin, meist in einer Dosierung von 10 mg, zu einer Standard-Antiemese aus einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten, Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten und Dexamethason empfohlen. Um eine Sedierung zu vermeiden, wird teilweise vorgeschlagen, Olanzapin in einer Dosis von 5 mg einzusetzen.

Erstmals wurde in einer Phase-3-Studie randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert der Effekt der 5-mg-Dosierung untersucht. An 26 japanischen Zentren wurden 710 Patienten mit soliden Tumoren in die Studie J-FORCE aufgenommen. Die Teilnehmer wurden erstmals mit einem Cisplatin-haltigen Regime behandelt. Randomisiert erhielten die Patienten oral Olanz-apin 5 mg an Tag 1 – 4 oder Placebo jeweils zusätzlich zu einer Antiemese aus Aprepitant, Palonosetron und Dexamethason.

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten mit komplettem Ansprechen in der verzögerten Phase, also 24–120 Stunden nach Beginn der hoch emetogenen Chemotherapie mit Cisplatin. Die demografischen Parameter der beiden Patientengruppen waren vergleichbar. In der Olanzapin-Gruppe erreichten mit 79 % signifikant mehr Patienten ein komplettes Ansprechen in der verzögerten Phase als mit 66 % in der Placebo-Gruppe (p < 0,0001). In der akuten Phase sprachen 95 % der Olanzapin-Gruppe und 89 % in der Vergleichsgruppe auf die Prophylaxe an (p = 0,0021). Auch über beide Phasen zusammen war das Ansprechen mit Olanzapin (78 %) höher als ohne Olanzapin (64 %; p < 0,0001).

Tagesschläfrigkeit und damit assoziierte Probleme im Tagesablauf waren in beiden Gruppen ähnlich häufig. Die Autoren erklären dies zum einen mit der geringeren Dosis von Olanzapin, zum anderen mit dem Applikationszeitpunkt: Das Neuroleptikum wurde nach dem Abendessen eingenommen. Schlafstörungen und Appetitlosigkeit waren in der Olanzapin-Gruppe geringer als in der Placebo-Gruppe.

Fazit: Die zusätzliche Gabe von Olanzapin 5 mg zur Standard-Anti-emese verringert die CINV in allen Phasen. Die Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den beiden Gruppen sind nach Aussage der Autoren klinisch von Bedeutung. Diese Vierer-Kombination könne ein neuer Standard in der antiemetischen Prophylaxe bei Cisplatin-basierter Chemotherapie werden.

Prof. Dr. med. Karin Jordan, Leitende Oberärztin der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg, weist darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von 10 mg Olanzapin, also die Vierer-Kombination, in den internationalen Leitlinien der ASCO und der MASCC/ESMO bereits Standard ist. Die 5-mg-Dosis sei nunmehr eine sehr gute weitere Option. Dies sei allerdings in den S3-Leitlinien „Supportive Therapie“ noch nicht abgebildet. Weil in der Onkologie sehr viele Medikamente appliziert würden und viele Nebenwirkungen prophylaktisch behandelt werden müssten, „gilt es abzuwägen, ob man nunmehr vier Medikamente einsetzt, um einen Nebenwirkungskomplex vorbeugend zu behandeln. Ich bin da eher zurückhaltend“, so die Onkologin. Aber grundsätzlich sei Olanzapin in der Dosierung von 5 mg nun der von 10 mg vorzuziehen.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Hashimoto H, Abe M, Tokuyama O, et al.: Olanzapine 5 mg plus standard antiemetic therapy for the prevention of chemotherapy-induced nausea and vomiting (J-FORCE): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Oncol. 2020; 21: 242–9.

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