ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020Alternative Medizin: Armutszeugnis
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Es ist ja eigentlich ein Armutszeugnis für die deutsche Ärzteschaft, dass es immer noch notwendig ist, in ihrem „Zentralorgan“ Artikel zu alternativen Heilmethoden zu veröffentlichen. Man stelle sich vor, im entsprechenden Blatt der Chemiker würde ein Vortrag veröffentlicht, der sich mit Alchemie befasst, oder es wäre notwendig, die Astrophysiker in einer ihrer meistgelesenen Fachzeitschriften darüber aufzuklären, dass Astrologie Unsinn ist.

Alleine schon die Überschrift suggeriert, dass alternative Medizin zwar nicht bei Krebs, aber doch bei anderen Krankheiten eine Alternative zur wissenschaftsbasierten Medizin darstellt. Dass sie keine Alternative zur evidenzbasierten Medizin darstellen, haben ja auch viele Heiler dieser Provenienz erkannt und nennen sich daher lieber „Komplementär“-Mediziner. Das versetzt sie in die angenehme Lage, im Einzelfall (wissenschaftsbasierte Medizin plus Komplementärmedizin) die Erfolge der Komplementärmedizin sich zuzuschreiben. Stirbt der Patient dann dennoch, hat eben die „Schulmedizin“ versagt.

Dr. med. Helmut Kees, 72076 Tübingen

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