ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020SARS-CoV-2-Infektion: Verlauf bei hospitalisierten Patienten

MEDIZINREPORT

SARS-CoV-2-Infektion: Verlauf bei hospitalisierten Patienten

Gerst, Thomas

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In der Universitätsklinik Aachen wurden bereits sehr früh viele Patienten mit COVID-19 behandelt. Zu diesem deutschlandweit bislang größten Kollektiv liegt nun die erste Beschreibung klinischer Charakteristika vor – unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung bei akutem Lungenversagen (ARDS).

In der Uniklinik Aachen wurden bereits sehr früh Patienten mit COVID-19 behandelt. Foto: bibi57/iStock
In der Uniklinik Aachen wurden bereits sehr früh Patienten mit COVID-19 behandelt. Foto: bibi57/iStock

Der Landkreis Heinsberg hat als deutschlandweit erster Hotspot bei der Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt. Dort kam es bereits im Februar 2020 zu einer Vielzahl von Infektionen. Viele der schwerer an COVID-19 erkrankten Patienten wurden und werden in der Universitätsklinik Aachen behandelt. In einem Beitrag in der nächsten Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes berichten die Autoren aus den für die medizinische Versorgung zuständigen Bereichen der Uniklinik über die klinischen Charakteristika der ersten 50 hospitalisierten COVID-19-Patienten. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Verläufen bei Patienten mit oder ohne ARDS („acute respiratory distress syndrome“).

Höheres Durchschnittsalter

Von den 50 Patienten waren 24 aufgrund von ARDS intubiert und wurden auf der Intensivstation versorgt. 26 spontanatmende, aber sauerstoffpflichtige Patienten ohne ARDS wurden auf einer Isolierstation außerhalb der Intensivstation behandelt. Im Vergleich zu bisher veröffentlichten Fallserien aus China war das mittlere Alter der Aachener Patienten mit 65 Jahren gegenüber 56 Jahren deutlich höher.

Komorbiditäten der Patienten

Auch in Bezug auf Komorbiditäten berichten die Autoren über deutliche Unterschiede: Werden zu den untersuchten Kohorten in China Komorbiditäten in einem Umfang von 45–50 % genannt, so wiesen sämtliche Patienten der Uniklinik Aachen Komorbiditäten auf. Die Hälfte der Patienten dort litt unter respiratorischen Vorerkrankungen, wie etwa chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, obstruktivem Schlafapnoesyndrom oder Asthma bronchiale. 31 der 50 hospitalisierten COVID-19-Patienten waren adipös oder übergewichtig, bei 35 lag arterielle Hypertonie vor, bei 29 Diabetes. Zum Zeitpunkt der Datenzusammenstellung waren 7 Patienten an Multiorganversagen oder respiratorischer Insuffizienz verstorben.

Die Autoren berichten, dass es im Mittel 4 Tage vom Beginn der COVID-19-Symptome bis zur Hospitalisierung dauerte. Als führende initiale Symptome werden Fieber, Dyspnoe und Husten genannt. Bei Betrachtung der beiden Gruppen mit und ohne ARDS zeigte sich kein Unterschied in der Viruslast, jedoch gab es deutliche Unterschiede in den erhobenen Laborparametern: ARDS-Patienten hatten persistierend erhöhte Werte für Leukozyten, Interleukin-6, Lactatdehydrogenase, Kreatinkinase sowie D-Dimere. Die Mehrzahl der ARDS-Patienten benötigte eine komplexe Beatmungstherapie mit Bauchlage; ein Teil der Patienten musste aufgrund des schweren respiratorischen Versagens mit einer ECMO versorgt werden. Patienten ohne ARDS zeigten über eine Woche hinweg erhöhte Entzündungswerte und Temperatur mit gleichzeitiger Sauerstoffpflichtigkeit.

Die Autoren heben hervor, dass nur bei sehr wenigen Patienten eine bakterielle Superinfektion diagnostiziert wurde. Der schwere Lungenschaden und die hierdurch hervorgerufenen deutlich erhöhten Entzündungsparameter seien alleine der viralen Erkrankung zuzuschreiben. Thomas Gerst

aerzteblatt.de

Der in Heft 16 im medizinisch-wissenschaftlichen Teil des Deutschen Ärzteblattes erscheinende Beitrag „Charakteristik von 50 hospitalisierten COVID-19-Patienten mit und ohne ARDS“ ist vorab online verfügbar.

www.aerzteblatt.de/20m271

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