ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2020Chronische Psoriasisarthritis: Interleukin-23-Inhibitor reduziert die Krankheitsaktivität und ist gut verträglich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Psoriasisarthritis: Interleukin-23-Inhibitor reduziert die Krankheitsaktivität und ist gut verträglich

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: peterschreiber.media/ stock.adobe.com
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Die Psoriasisarthritis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung am Skelett, häufig assoziiert mit Manifestationen an Haut, Nägeln oder den Enthesen. Für Patienten, die weder auf konventionelle krankheitsmodifizierende Substanzen (DMARDs) gut ansprechen noch auf bereits zugelassene Biologika oder diese nicht vertragen, wird der Antikörper Guselkumab entwickelt. Er bindet an die p19-Untereinheit von Interleukin-23 und hemmt vor allem Th17-Zellen. Sie sind maßgeblich am Entzündungsgeschehen an der Haut und den Gelenken beteiligt. In den Phase-3-Studien DISCOVER-1 und -2 sind Effektivität und Toxizität untersucht worden. Es sind prospektive, randomisierte und placebokontrollierte internationale Phase-3-Studien. Voraussetzung für die Aufnahme erwachsener Teilnehmer in DISCOVER-1 war eine aktive Psoriasisarthritis mit mindestens 3 geschwollenen Gelenken und mindestens 3 mit Spannungsgefühl und einem Wert für das C-reaktive Protein ≥ 0,3 mg/dL trotz Standardtherapien wie DMARDs inklusive Apremilast und NSAID.

Circa 30 % der Teilnehmer konnten Vorbehandlungen mit einem oder zwei TNF-α-Blockern haben. In DISCOVER-2 mussten Symptome Schwellungen und Spannungsgefühl an jeweils mindestens 5 Gelenken bestehen und die Werte für das C-reaktive Protein ≥ 0,6 mg/dL betragen. Diese Patienten durften nicht mit Biologika vorbehandelt sein.

In beiden Studien wurde in 3 Gruppen randomisiert: Guselkumab 100 mg s.c. alle 4 Wochen, Guselkumab 100 mg zum Zeitpunkt 0, Woche 4 und anschließend alle 8 Wochen oder zu Placebo. Basismedikationen mit DMARDs waren möglich. Der primäre Endpunkt, eine Verbesserung der Symptome um 20 % zu Woche 24, wurde bestimmt nach Kriterien des American College of Rheumatology (ACR20).

362 Patienten beendeten die Behandlung in DISCOVER-1 und 716 Patienten in DISCOVER-2. Eine ACR20 erreichten in der DISCOVER-1-Studie 59 % unter Guselkumab alle 4 Wochen, 52 % in der Gruppe Guselkumab alle 8 Wochen und 22 % unter Placebo (p < 0,0001). In DISCOVER-2 betrugen die Anteile der Patienten mit ACR20 in den Verumgruppen jeweils 64 % und bei Placebo 33 %. Auch diese Unterschiede waren hoch signifikant.

Guselkumab war gut verträglich. Nasopharyngitis, Infektionen und Erhöhungen der Leberenzymwerte waren die häufigsten Nebenwirkungen, führten aber selten zum Therapieabbruch. Es gab keine behandlungsassoziierten Todesfälle.

Fazit: „Die beiden großen Phase-3-Studien belegen, dass Guselkumab eine wirksame neue Option zur Behandlung von Patienten mit Psoriasisarthritis ist“, kommentieren Dr. med. Andreas Kerschbaumer und Prof. Dr. med. Daniel Aletaha von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie an der Universitätsklinik Wien. „Außer den Gelenksymptomen bildeten sich bei circa der Hälfte der Patienten mit Enthesitis, Hautbeteiligung und Daktylitis auch diese Krankheitszeichen zurück.“ Das Sicherheitsprofil sei akzeptabel. Es gelte nun zu eruieren, welchen Stellenwert der IL-23p19-Inhibitor unter den Biologika haben könne, möglichst auch durch Kopf-an-Kopf-Vergleichsstudien. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Deodhar A, Helliwell PS, et al.: Guselkumab in patients with active psoriatic arthritis who were biologic-naive or had previously received TNFα inhibitor treatment (DISCOVER-1): a double-blind, randomised, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2020; https://doi.org/10.1016/S0140–6736(20)30265–8.
  2. Mease PJ, Rahman P, Gottlieb AB, et al.: Guselkumab in biologic-naive patients with active psoriatic arthritis (DISCOVER-2): a double-blind, randomised, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2020; https://doi.org/10.1016/S0140–6736(20)30263–4hjh

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