ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2020Coronakrise: Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen steigt

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Coronakrise: Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen steigt

Bühring, Petra

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Häusliche Gewalt nimmt während der COVID-19-Pandemie zu. Darauf weist die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) hin. Doch die meisten Frauenhäuser seien schon ohne Coronakrise hoffnungslos überfüllt. Bisher existiere in Deutschland kein flächendeckendes Netz von Beratungsstellen und Zufluchtsorten für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

„Die Coronakrise führt zu deutlich häufigeren Konflikten in den Familien. Ungewohnte Enge und Ausgangsperren sowie finanzielle Existenzängste können Streit in den Familien eskalieren lassen. Manche führen zu Gewalt gegen Frauen und Kinder“, mahnt Dietrich Munz, Präsident der BPtK. Deshalb müssten zusätzliche Zufluchtsorte geschaffen werden, damit Frauen vor häuslicher Gewalt geschützt werden können.

Auch Terre de Femmes weist darauf hin, dass durch die Isolation die Gefahr für Frauen in gewalttätigen Beziehungen drastisch steigt. Berichte aus China bestätigen der Hilfsorganisation zufolge bereits diese Entwicklung: Lokale Polizeidienststellen verzeichneten im Februar eine Verdreifachung der gemeldeten Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

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Die BPtK fordert deshalb zusätzliche öffentliche Mittel, mit denen ungenutzte Hotels und Ferienwohnungen angemietet werden können, um Frauen mit ihren Kindern während der Coronakrise sicher unterbringen zu können. „Die Frauen, die den Mut finden, einen Ausweg aus eskalierender Gewalt in ihren Familien zu suchen, dürfen nicht abgewiesen werden“, sagt BPtK-Präsident Munz. Dafür müssten die Beratungsstellen und Frauenhäuser verlässlich finanziert und die Mitarbeiterinnen als systemrelevant eingestuft werden.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr und in 17 Sprachen erreichbar: 08000 116 016. Das bundesweite Beratungsangebot bietet auch Online-Beratung und Sofort-Chats an: www.hilfetelefon.de. PB

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