ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2020Approbationsordnung: Versorgungspolitischer Skandal
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„Entscheidend ist letztendlich der Wille der Hochschulen, tatsächlich verfahrensbreit ausbilden zu wollen.“ Sollte das tatsächlich alles sein, was dem Deutschen Ärzteblatt dazu einfällt?

Es geht hier keineswegs, wie die Autorin meint, darum, dass „nicht alle (...) vollumfänglich zufrieden mit der Approbationsordnung“ sind. Es geht vielmehr um einen versorgungspolitischen Skandal: Der Gesetzgeber beschließt einerseits wider besseres Wissen ein (nicht nur bei der Weiterbildung) vollkommen unterfinanziertes Gesetz und zementiert andererseits den seit mehr als zehn Jahren erkennbaren Trend der Dominanz der Verhaltenstherapie bei der Erteilung von Approbationen (Bereich Erwachsene: 80 Prozent VT, 20 Prozent TP, TP/AP; Kinder- und Jugendliche: 70 Prozent VT, 30 Prozent TP, TP/AP).

Es ist zu erwarten, dass Studentinnen und Studenten der Approbationsstudiengänge Psychotherapie wie schon bisher einseitig ausbildet werden und so die Zahl der künftigen Weiterbildungsteilnehmer in anderen Verfahren als der Verhaltenstherapie weiter sinken wird. In der Folge drohen (noch größere) Versorgungslücken bei den Richtlinienverfahren tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie.

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Das wäre an sich ein guter Grund dafür, dass der Gesetzgeber seine Entscheidung überdenken würde (Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Bundestag, Bundesrat) und alle direkt und indirekt Beteiligten oder Betroffenen (insbesondere Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Deutscher Psychotherapeutentag, G-BA, Patientenbeauftragte, Landesgesundheitsministerien, Fach- und Berufsgesellschaften) und auch Fachjournalisten auf die Barrikaden gingen. Doch es herrscht Ruhe im Land – nicht nur wegen Corona ... .

Dr. Jürgen Thorwart, 82223 Eichenau

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