ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2020Depressionen: Spannender Überblick zum Stand der Forschung

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Depressionen: Spannender Überblick zum Stand der Forschung

Weimer, Joachim

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Dieses Buch erscheint in der Reihe „Psychotherapie in Psychiatrie und Psychosomatik“, die eng verbunden ist mit den Tagungen der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen (Schweiz). Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, neuere psychotherapeutischen Ansätze wie zum Beispiel Integration der Therapieverfahren, personalisierte und störungsspezifische Therapie, Evidenzbasierung, Nachweis von psychotherapeutischen Veränderungen über biologische Verfahren miteinander ins Gespräch zu bringen.

In zehn Kapiteln werden aktuelle soziologische, psychodynamische wie neurowissenschaftliche Modelle ebenso wie neuere Forschungsergebnisse zur Entstehung von Depressionen wie zum Erfolg verschiedener Therapieverfahren vorgestellt. Exemplarisch seien zwei Kapitel herausgegriffen: Dorothea Huber und Günther Klung diskutieren in „Psychotherapieforschung zur Depression“ den Erfolg verschiedener Therapieverfahren bei schweren Depressionen. Interessant hier – wenn man nicht nur psychoanalytische Kurzzeittherapien mit der Verhaltenstherapie vergleicht – , dass die Psychoanalyse im Outcome kurz- und langfristig Erfolgs versprechender zu sein scheint als die Verhaltenstherapie. Insbesondere interaktionelle Defizite scheinen damit besser angehbar zu sein. Auch scheint dabei nicht rein die längere Dauer einer Psychoanalyse Erfolgs versprechend, sondern der Ansatz, sich Biografie, Träumen und Fantasien der zu Behandelnden zu widmen. Wenig erstaunlich zeigt sich auch, dass Komorbiditäten wie insbesondere Persönlichkeitsstörungen den Therapieerfolg in allen Therapieformen statistisch deutlich schmälern.

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Ulrich Bahrke beschreibt in einem Beitrag die Erfahrungen mit der verfahrensübergreifenden LAC-Studie. Aufschlussreich wie schwierig es ist, schwer Depressive für eine Therapie zu gewinnen und in der Therapie zu halten und mit welch starken Gegenübertragungen Therapierende zu kämpfen haben. Interessant zu lesen, wie sich Selbstbild und Erklärungsmodelle der Probleme während/nach der Therapie verändern und es den Patienten ermöglichen, mit ihren dysfunktionalen Schemata besser und flexibler umzugehen.

Insgesamt bietet das Buch einen spannender Überblick über den neuesten Stand der Forschung zur Depression. Allerdings, da wohl hauptsächlich für eher theoretisch Interessierte geschrieben, eine Lektüre, die Konzentration und Durchhaltevermögen verlangt. Joachim Weimer

Claudia Henke, Dorothea Huber, Gerhard Dammann, Bernhard Grimmer (Hrsg.): Depression. Psychoanalytische Theorie – Forschung – Behandlung. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2019, 193 Seiten, kartoniert, 36,00 Euro

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