ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2020Sexualforschung: Streifzug durch Vergangenheit und Gegenwart

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Sexualforschung: Streifzug durch Vergangenheit und Gegenwart

Riegel, Björn

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Während des Psychologiestudiums an der Universität Hamburg galt ein Nebenfachstudium der Sexualwissenschaften bereits als gute Möglichkeit für klinisch interessierte Studierende, einen spannenden Einblick in die therapeutische Arbeit und auch in die psychodynamischen Ansätze zu bekommen. Ich habe das Institut damals als sehr offen und tolerant für Andersartigkeit, als praxisorientiert und am Wohl der Behandelten interessiert wahrgenommen. Dies alles spiegelt sich in diesem Herausgeberband zum 60-jährigen Jubiläum des Instituts für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wider. Der Herausgeber ist der Institutsleiter Peer Briken; Autoren sind aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Instituts.

Die Kapitel sind der chronologischen Entwicklung des Instituts seit der Gründung durch Hans Giese nach angeordnet. Den Auftakt bilden Berichte von mehreren Autoren zu ihren Erfahrungen mit dem Institutsgründer und ihre Erinnerungen an die ersten Jahre. Dabei wird Giese in einem Beitrag des Historikers Liebeknecht durchaus kritisch gewürdigt. Die weiteren Abschnitte des Buches sind mit den Überschriften „Vertiefung“, „Kontinuität“ und „Aufbruch“ versehen.

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Der Titel des Buches „Perspektiven der Sexualforschung“ lässt sich in nahezu jedem Kapitel wiederfinden: sei es in der Beschreibung der Aktivitäten innerhalb des Instituts (zum Beispiel über die Sommerfortbildung), den Fortschritten in der Forschung oder auch der generellen Entwicklung des Verständnis für Sexualität und sexuelle Identität. Der Leser bekommt leicht verständlich den Wandel von Theorien präsentiert, meist eingewoben in die biografischen Erinnerungen der einzelnen Autoren und Autorinnen. Einige Kapitel sind dabei auch als Interview konzipiert, sodass man sich als Leser noch näher an den Themen dran fühlt.

Die Lektüre des Buches ist kurzweilig und unterhaltsam; man hat fast den Eindruck, Hörer einer spannend und didaktisch gut veranstalteten Ringvorlesung zu sein. Eine Verbundenheit zum Hamburger Institut ist nicht zwingend nötig, um das Werk als interessant und bereichernd zu empfinden. Es schlägt den Bogen von den Anfängen der Sexualforschung bis hin zu aktuellen Themen, garniert mit Einsichten in das Innenleben eines universitären Instituts. Björn Riegel

Peer Briken (Hrsg.): Perspektiven der Sexualforschung. Psychosozialverlag, Gießen 2019, 550 Seiten, kartoniert, 54,90 Euro

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