ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2020Künstlerfilme auf DVD: Heimkino statt Museumsbesuch

KULTUR

Künstlerfilme auf DVD: Heimkino statt Museumsbesuch

Schuchart, Sabine

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Filmklassiker, Biopics und Dokumentationen bieten faszinierende Einblicke in Werk und Persönlichkeit bedeutender Maler/-innen – eine Auswahl für die Zeit zu Hause.

Vincent van Gogh

An der Schwelle zur Ewigkeit (2018); Ein Leben in Leidenschaft (1956)

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Foto: Leonine
Foto: Leonine

Eine subtile Annäherung an den Künstler schuf 2018 Regisseur Julian Schnabel, der selbst ein renommierter Maler ist. Mit unkonventioneller Bildsprache setzte er van Goghs Schaffensrausch in dessen zwei letzten von psychi-schen Krisen bestimmten Lebensjahren in Südfrankreich in Szene. Willem Dafoe verkörpert brillant den Protagonisten (Bild). Ein weiteres Highlight unter den zahlreichen Filmen über das Malergenie: Vincente Minellis dramatisches Biopic (nach dem Roman von Irving Stone) mit Kirk Douglas als van Gogh und Anthony Quinn als Paul Gauguin – Hollywood-Kino vom Feinsten, auch heute noch sehenswert.

Leonine, 107 Min., Regie: Julian Schnabel; Warner, 115 Min., Regie: Vincente Minnelli

Frida Kahlo

Frida (2002); Frida Kahlo (1983)

Salma Hayek in der Rolle der extravaganten mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo: Im Mittelpunkt des opulenten, farbenprächtigen Filmspektakels von Julie Taymor steht Kahlos Liebes- und Leidensgeschichte mit dem Maler Diego Rivera (Alfred Molina) – atmosphärisch dicht, mit vielen starken Momenten, aber zu wenig Raum für Kahlos Kunst. Kürzer und prägnanter setzt die gelungene Dokumentation von Hershon/Guerra ihr Leben und Werk in exzellenter Bildqualität in Szene.

Studio Canal, 118 Min., Regie: Julie Taymor; Arthaus Music, 62 Min., Regie: Eila Hershon und Roberto Guerra

Jörg Immendorff

Ich. Immendorff (2008)

Den an ALS erkrankten Künstler („Café Deutschland“) begleitete Nicola Graef bis zu dessen Tod 2007 zwei Jahre mit der Kamera. So entstand ein vorzügliches Porträt eines außergewöhnlichen Menschen, der zehn Jahre mit dem Wissen um seine unheilbare Erkrankung lebte und arbeitete – zunehmend hilflos, aber ungebrochen. Der Film erzählt Jörg Immendorffs Leben, viele Weggefährten kommen zu Wort.

Zweitausendeins Edition, 98 Min., Regie: Nicola Graef

Pablo Picasso

Mein Mann Picasso (1996); The Mystery of Picasso (1956)

Mit Anthony Hopkins in der Titelrolle und Natascha McElhone als Françoise Gilot schildert der Brite James Ivory das Jahrhundertgenie Picasso aus der Sicht der einzigen Weggefährtin, die eigenständig genug war, um ihn nach zehn Jahren schließlich zu verlassen. In dem brillant besetzten Hollywood-Streifen geht es um die Beziehungen zwischen Picasso und seinen Frauen. 1956 konzentrierte sich der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot dagegen ganz auf Picassos kreativen Prozess: Man sieht den Meister zeichnen und malen – grandios.

Warner, 123 Min., Regie: James Ivory; Arrow Academy, 78 Min., Regie: Henri-G. Clouzot, nur in Englisch/Französisch

Gerhard Richter

Painting (2011)

An dem Schaffensprozess eines Künstlers lässt uns auch Corinna Belz teilhaben: Ihr öffnete Gerhard Richter sein Atelier, als er 2009 an einer Serie ab-strakter Großformate arbeitete. Der Einblick in sein Oeuvre ist mit den lakonischen Kommentaren Richters unterlegt – ein angenehm unprätentiöser Film, der zum Publikumserfolg wurde.

Indigo, 97 Min., Regie: Corinna Belz

William Turner

Mr. Turner. Meister des Lichts (2014)

Niemand fängt das Licht so ein wie er: Turners stimmungsvolle Seebilder und Landschaften seiner Spätzeit bilden den Zeitrahmen für Mike Leighs fesselndes Biopic mit dem wunderbaren Timothy Spall in der Rolle des ruppigen, verschrobenen, rücksichtslosen Mr. Turner, der nur für seine Kunst lebt. Nichts für Action-fans, dafür ein unangestrengter Blick auf ein Vierteljahrhundert Leben in schönen Bildern, die der Sichtweise Turners folgen.

Euro Video, 144 Min. Regie: Mike Leigh

Sabine Schuchart

Der besondere Tipp

Kunsttherapie in der Psychiatrie

Cover: Psychiatrie-Filme, Andrea Rothenburg
Cover: Psychiatrie-Filme, Andrea Rothenburg

Wie die künstlerische Auseinandersetzung Patienten mit psychischen Störungen helfen kann, mit ihrer Erkrankung umzugehen, ist Thema dieses immer noch wegweisenden Films von 2012. Er handelt von 15 Menschen und ihren Schicksalen, die aufgrund von Schizophrenie, Angststörungen, Depressionen, Borderline- und Persönlichkeitsstörungen, Drogen- und Alkoholsucht in die Psychiatrie kamen. Ihr kreatives Tun ermöglichte ihnen, sich anders auszudrücken und einen geschützten Raum für sich zu entdecken. Regisseurin und Produzentin der auch von Fachärzten in der Aus- und Weiterbildung genutzten Dokumentation, die im Psychiatrischen Krankenhaus Rickling in Schleswig-Holstein entstand, ist Andrea Rothenburg. Mit ihrer Arbeit (www.psychiatriefilme.de) möchte sie Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abbauen. „Alfred & Co. – Kunst, Psychiatrie, das Leben und der Tod“, 2012, Psychiatrie-Filme, 115 Min., FSK: ab 12

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